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Das Alpengebirge erklärt nach den Richtlinien der technischen Mechanik

Seidl, E.

Kurzfassung

Grundsätze der Betrachtung: Die Betrachtung bleibender Formänderungen auf Grund des ,Formen-Prinzips" und des ,Struktur-Prinzips" 1a) hat sich als besonders fruchtbar für die Erklärung umstrittener tektonischer Bereiche erwiesen. Sie bietet die Möglichkeit, auch die Gundzüge des Alpen-Problems 1b) einer einfachen Klärung entgegenzuführen. Das Formen-Prinzip besagt: Bei einer bestimmten Beanspruchung eines Körpers, die bestimmte Spannungen hervorruft, ergeben sich nach Überschreitung der Elastizitätsgrenze ganz bestimmte Formänderungen, die sich durch gesetzmäßige geometrische Begrenzungen und durch eine bestimmte Massenverteilung kennzeichnen. Man vermag daher einerseits für eine bestimmte Beanspruchung die zu erwartende Formänderung vorauszusagen, während anderseits aus einer bestimmten Verformungs-Form auf die Art der Beanspruchung geschlossen werden kann. Das Struktur-Prinzip besagt: Während in einem Körper aus strukturlosem, dichtem oder feinkörnigem Stoff die durch die Beanspruchung hervorgerufenen Spannungen sich nur nach der Gestalt und den Symmetrie-Verhältnissen des Körpers ordnen (,Block-Reaktion"), lenken eine Schichtung und andere Strukturen die Spannungen ab und ergeben - im Rahmen der der betreffenden Beanspruchung zugeordneten Formänderung - Besonderheiten der Formung (,Struktur-Reaktion"). Es dürfen daher einerseits bei bestimmten Strukturen bestimmte Besonderheiten der Formänderung erwartet werden, während man anderseits aus bestimmten Merkmalen der Formänderung auf die Art einer - vielleicht verborgenen - Struktur schließen kann. Eine eingehende Begründung für die Aufstellung dieser Prinzipien ist in dem grundlegenden grenzwissenschaftlichen Werk des Verfassers gegeben. ...