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Die Eingliederung des ostalpinen Paläozoikums

von Gaertner, Hans Rudolf

Kurzfassung

Das Paläozoikum der Ostalpen mit seiner reichen Gliederung ist schon lange Zeit bekannt. Es hat aber außerhalb der Alpen nicht die Beachtung gefunden, die es seiner Oberflächenausdehnung und Lage nach verdient. Ist doch das Areal der sicher paläozoischen Gebiete - unter Ausschluß jeglichen Kristallins - dreimal größer als das des Harzes, einhalbmal so groß wie das des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Wir kennen in drei verschiedenen Zonen des alpinen Baues sicheres Paläozoikum. Die nördliche Grauwackenzone mit dem großen Gebiet der Kitzbühler Alpen, der Grauwackenzone des Liesingpaltentales und der Verbindung zum Semmering liegt immer zwischen den Kalkalpen und dem Kristallin der Zentralalpen. Vielfach unterbrochen zieht diese nördliche Zone vom äußersten Westen der Ostalpen im Rhätikon bis über den Semmering hinaus. Auf den Zentralalpen selbst liegt das große zusammenhängende Gebiet des Grazer Paläozoikum. Seinen Nordsporn bildet der Hochlantsch, altbekannt durch seine Devonfundpunkte. Im Osten hängen mit dem Grazer Gebiet die Vorkommen im Burgenland zusammen, die ,als Ketten eines versunkenen Gebirges" aus dem Tertiär aufragen. Im Süden liegt das Sausal und die paläozoischen Vorkommen des Poßruck. Das Gebiet von Murau, stratigraphisch noch so gut wie unbekannt, führt uns über den Paalgraben zur Stangalpe, dem bekannten Oberkarbonvorkommen. Im Westen des Tauernfensters liegt ähnlich gebaut das Paläozoikum des Brenners. Den Südalpen werden die Karnischen Alpen, eines der reichst gegliederten paläozoischen Gebirge Europas überhaupt, und die Karawanken zugezählt. Daß das Paläozoikum im wesentlichen varistisch gefaltet ist, hat man erst in den letzten Jahren als ziemlich allgemein gültige Regel erkannt (vgl. Tafel 19 Fig. 1). Für die Karnischen Alpen wissen wir dies seit den Profilen von GEYER (1903). In dem Liesingpaltental zeigte neuerdings HIESSLEITNER (1931) die große Bedeutung der varistischen Faltung. (SPENGLER 1928, CORNELIUS 1930.) Für die Kitzbühler Alpen kann man unschwer ein gleiches aus den Kartenbildern OHNESORGE'S entnehmen. Schließlich zeigt ja auch das Kartenbild im großen die Wertener Schichten über den verschiedensten Gliedern der Grauwackenzone bis zum Kristallin hinab. Dabei ist immer wieder normaler Transgressionskontakt festgestellt worden. In den Zentralalpen kennen wir dank den Arbeiten SCHWINNER'S die varistische Diskordanz vom Brenner (SCHWINNER 1925) und von der Stangalpe (SCHWINNER 1932). ...