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Strömungserscheinungen im Wellenkalkmeer

Wilfarth, Martin

Kurzfassung

Einleitung. Das Wellenkalkmeer war ein Binnenmeer. Diese Feststellung ergibt sich aus dem Vorkommen von Pseudomorphosen nach Steinsalz, Gips und Cölestin, sowie aus dem Vorkommen von Gips, Anhydrit (GAGEL 1909) und Cölestin (R. WAGNER 1897, LIEBETRAU 1890, Tab.) selbst. Alle diese leicht löslichen Salze kommen als schichtige, durchaus primäre Einlagerungen im Wellenkalk vor. Ein Binnenmeer, in dem eine so hohe Konzentration herrschte, kann nicht in dauernder Verbindung mit dem Weltmeer gestanden haben. Infolgedessen können auch Gezeiten heutiger Größenordnung in ihm nicht wirksam gewesen sein. In einem Binnenmeer hätten wir Sedimente zu erwarten, die Absatz in ruhigem Wasser verraten müßten. Die Küste eines Binnenmeeres hätte eine scharf begrenzte sein müssen, so daß man sie zu jedem Zeitpunkt als einfache Linie in eine Karte hätte einzeichnen können. Außerhalb dieses schmalen Küstenstreifens hätten nur pelitische Gesteine zum Absatz kommen können. Nur suspendierbare Teilchen hätten über die Küstenzone hinausgetragen werden können. Es soll nun in vorliegender Abhandlung untersucht werden, ob die Wirklichkeit diesen theoretischen Forderungen entspricht. Die Fossiltrümmerbänke: Hätten die Organismen, deren Reste wir im Wellenkalk vorfinden, in ruhigem Wasser gelebt und wären an Ort und Stelle gestorben, wo ihre Hartteile heute eingebettet liegen, so müßten wir diese in ganz charakteristischer Stellung antreffen, die der Lebensweise ihrer Träger entsprechen müßte. Betrachten wir daraufhin einmal die wichtigsten Vertreter der Wellenkalkfauna, Muscheln, Brachiopoden und Crinoiden. Manche Muscheln wandern mit Hilfe ihres Fußes im Sediment, andere Arten sitzen lotrecht darin vergraben und strecken nur ihre Siphonen heraus, andere verankern sich mit Hilfe des Byssus an schwerbeweglichen Gegenständen, wieder andere heften sich unmittelbar mit der Schale bankbildend aneinander fest. Brachiopoden und Crinoiden sind vermittels ihrer Stiele am Grunde befestigt. Bei völlig ungestörter Einbettung müßten wir erwarten, daß selbst die Weichteile Abdrücke und Hohlräume hinterließen, zum mindesten aber müßte die Lage der Hartgebilde im Sediment der Stellung der Träger im letzten Lebensaugenblick entsprechen. Die beiden Schalen einer im Sediment wandernden Muschel müßten wir horizontal nebeneinander antreffen, die einer eingegraben lebenden lotrecht nebeneinander, die Byssusmuscheln verfilzten Nestern entsprechend beieinander und in der Nähe ihrer ,Anker". ...