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Der gegenwärtige Stand der geologischen Erforschung des Siegerländer - Wieder Spateisensteinbezirkes

Henke, W.

Kurzfassung

Schreitet die geologische Erkenntnis einer Lagerstätte mit ihrem Abbau nicht fort, so ist zu befürchten, daß der Bergbau früher zu Ende geht, als die Lagerstätte erschöpft ist. Aus diesem Grund ist es notwendig, daß praktische Geologie im Bergbau getrieben wird. Diese darf aber nicht erst einsetzen, wenn geologische Schwierigkeiten auftreten, oft ist es dann schon zu spät. Das Sammeln aller geologischen Tatsachen während des Abbaues einer Lagerstätte ist eine Notwendigkeit, wenn man von geologischer Seite her den Bergbau beraten will. Was zu diesen geologischen Arbeiten gehört, darüber ist man sich häufig selbst in Geologenkreisen nicht klar. In früheren Zeiten, wo die Geologie als Nebenwissenschaft vom Bergmann betrieben wurde, war sie praktisch eingestellt. Die scharfe Trennung beider Berufe brachte wohl große Fortschritte in der geologischen Wissenschaft, entfremdete aber den Geologen von der praktischen Anwendung seiner Erkenntnisse. Mißerfolge unpraktischer Geologen brachten oft ungerechte Urteile über den Wert der Geologie für den Bergbau und erschwerten das Zusammenarbeiten beider Berufe. Die neue Zeit, die ein Einsetzen aller wissenschaftlichen Erfahrungen zum Wohle des ganzen Volkes fordert, wird auch hier dazu beitragen, daß Geologie und Praxis inniger zusammenarbeiten. Bei den schwierigen geologischen Verhältnissen des Siegerländer Spateisensteinbezirkes trat das Fehlen einer systematischen Bearbeitung der geologischen Fragen der Lagerstätte ganz besonders in Erscheinung. Die erste Anregung zu solchen Arbeiten ging von BORNHARDT aus, der als Bergrevierbeamter in Siegen sich sehr eingehend mit dem Studium der Siegener Lagerstätten beschäftigte und später seine Ergebnisse in dem umfassenden Werk ,die Gangverhältnisse des Siegerlandes" veröffentlicht hat. Wegen seiner Arbeit und seinen Anregungen kann man ihn als den Begründer der praktischen Geologie im Siegerland bezeichnen. Auf seine Veranlassung wurde 1904 mit der geologischen Landesaufnahme im Siegerland begonnen. Es galt harte Nüsse zu knacken. Das große Unterdevongebiet, das ziemlich willkürlich von dem Mitteldevon des Sauerlandes auf der Dechenschen Karte getrennt war, mußte gegliedert und die komplizierten Gangverhältnisse geklärt werden. Die grundlegenden Arbeiten für die Stratigraphie führte DENCKMANN aus. Er erkannte richtig, daß die roten und grünen Schiefer und die weißen Quarzite von Müsen und Rahrbach zum Gedinnien zu stellen sind. ...