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Der Bergbau im Siegerland

Schneider, R.

Kurzfassung

Der Siegerländer Eisensteinbergbau und seine Bedeutung für das Siegerland und die gesamte Nation ist seit Jahren, vor allem in der Nachkriegszeit, wiederholt hervorgehoben worden. Was aber dieser Wirtschaftszweig als Glied der nationalen Wirtschaft tatsächlich bedeutet, ist niemals klarer in Erscheinung getreten als heute, wo unter den Nachwirkungen eines unheilvollen Völkerkrieges die Weltwirtschaft sich in einem gigantischen Gährungs- und Umformungsprozeß befindet, der vor allem auch Deutschland zwingt, Volk und Wirtschaft auf eine breitere Ernährungs- und Rohstoffbasis zu stellen. Bei dem Siegerländer Eisenstein handelt es sich neben Rot-, Braun- und Glanzeisenstein in der Hauptsache um Spateisenstein. Der meist in der Nähe der Erdoberfläche anstehende, poröse und weichere Brauneisenstein muß, bis auf kleinere Vorkommen, als abgebaut gelten. Der Spateisenstein, welcher im rohen Zustande etwa 30% Eisen und 4 bis 5% Mangan aufweist, wird im Hand- bzw. maschinellen Aufbereitungsverfahren von Verunreinigungen möglichst befreit. Eine weitere Anreicherung erfolgt durch die Austreibung der Kohlensäure im Röstofen, wodurch eine Gewichtsverminderung von etwa 30% und dadurch wiederum eine beträchtliche Frachtersparnis erzielt wird. Auf diese Weise ist es heute möglich, ein hüttenfertiges Erz von 48 bis 51% Eisen und 81/2 bis 11% Mangan zu erzielen. Die Gewinnung und Verarbeitung des Siegerländer Eisensteins geht bis in die ältesten Zeiten zurück. Bis zum Jahre 1298 finden wir den Bergbaubetrieb urkundlich belegt, doch reicht sein Alter, wie die im Vorjahre vorgenommenen Ausgrabungen teilweise vollständig erhaltener frühgeschichtlicher Stücköfen beweisen, wesentlich weiter zurück. Daß das Siegerländer Erz schon früh einen guten Ruf auch über die Grenzen des Bezirks hinaus gehabt hat, geht schon daraus hervor, daß die in Wien aufbewahrten Waffen Karls des Großen nach den Untersuchungen nur aus Siegerländer Eisen geschmiedet sein können. Das Siegerländer Erz dürfte auch die Veranlassung dafür gewesen sein, daß im 13. und 14. Jahrhundert die Grafen von Nassau von Holland aus im Siegerland Fuß faßten. ...