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Der Bergbau an Lahn und Dill

Witte, W.

Kurzfassung

Die Grundlage der Wirtschaft an Lahn und Dill bildet genau wie im Siegerland der Erzbergbau, auf den sich die roheisenschaffende- und roheisenverarbeitende Industrie dieses Gebietes seit Jahrhunderten aufbaut. Die grundsätzlichen Verschiedenheiten der beiden Erzvorkommen an Sieg und Lahn geben aber jedem Gebiet eine besondere Prägung. Im Siegerland fördern sämtliche Gruben eine einzige Erzsorte, den Spateisenstein, ein Eisenkarbonat mit verhältnismäßig hohem Mangangehalt, aus dem ein Eisen gewonnen wird, dessen Weiterverarbeitung zur Stahlindustrie weist. An Dill und Lahn fördern wir dagegen drei Hauptsorten von Erzen, den Rot-, Braun- und manganhaltigen Eisenstein, die alle wieder hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung zahlreiche Einzelsorten aufzuweisen haben. Die Preisliste des Berg- und hüttenmännischen Vereins Wetzlar brachte bei normaler Beschäftigung etwa 1 Dutzend der verschiedensten Erze, ohne damit erschöpfend zu sein. Die Mannigfaltigkeit der Erzsorten mit relativ kleinen Mengen gleicher Zusammensetzung ist von jeher ein Haupthindernis für gleichmäßigen Absatz der Erze gewesen. Das aus diesen Eisenoxyden des Lahngebietes erblasene Roheisen diente in früheren Jahrhunderten in erster Linie dazu, die Bedürfnisse von Landwirtschaft und Haushaltung zu befriedigen. Im Siegerland war dagegen in ältester Zeit die Waffenindustrie heimisch und verschaffte ihm damit ein wesentliches Übergewicht gegenüber dem Lahngebiet. Es ist daher erklärlich, daß frühzeitig auch im Lahngebiet Bestrebungen auftraten, ebenfalls auf diesen Produktionszweig überzugehen, trotzdem diesen Plänen von vornherein ein Mißerfolg beschieden sein mußte, weil die Grundlage in den Erzen fehlte. - Welche Bedeutung aber dem Bergbau an Lahn und Dill zukommt, ergibt sich aus der Tatsache, daß bereits im Jahre 1873 über 1,2 Millionen Tonnen Eisenstein gefördert und abgesetzt wurden, eine Rekordleistung, die nur noch im Weltkriege überboten wurde. Mehr als die Hälfte dieser Mengen ging damals nach Westfalen, wo sich auf der Basis des neuen Koks-Hochofens die Eisenindustrie überraschend ausdehnte. Der Industrie an der Lahn, die damals fast 100%ig Puddeleisen erzeugte, litt aber unter dem Aufschwung Westfalens und kam mehr und mehr ins Hintertreffen. Dem Bergbau ging somit ein großer Teil seines Absatzes im engeren Bezirk verloren, aber auch nach Westfalen konnte er nicht erhalten bleiben, weil sich damals schon die Konkurrenz der Auslandserze bemerkbar machte. ...