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Geologisches und bergwirtschaftliches von den oberhessischen Eisenerzen

Köbrich, Carl

Kurzfassung

In Oberhessen besteht eine rege Eisengewinnung seit mehr als tausend Jahren in den wasserreichen Tälern des Vogelsberges. So finden wir um das Jahr 900 Eisen in Gestalt von Pflugscharen, von Pfannen oder auch als rohe ,Schirbeln" in Gefällverzeichnissen der Klöster Fulda und Lorsch; so lesen wir 1465 von der Isenkuthe der Herren von Eppstein und Königstein bei Gedern im Vogelsberge; so erfahren wir, daß der Graf Reinhard von Ysenburg-Büdingen-Birstein bei Befestigung seines Schlosses in Offenbach a. M. im Jahre 1550 sich seine Kanonen in Hitzkirchen im Vogelsberge herstellen ließ, wahrscheinlich im Schweißverfahren; und so entstanden alle die Schmelzen und Hämmer, an deren Resten der Vogelsberg so reich ist. So ist ja aus dem Vogelsberg auch der Anfang der Firma Buderus hervorgegangen, die allerdings später dem Koks entgegen nach der Lahn abgewandert ist. Doch hat sie noch heute einen guten Teil ihrer Erzbasis im Vogelsberge. Wenn Oberhessen als Erzrevier auch heute noch seine Geltung hat und - abgesehen von den letzten Notjahren - an Fördermenge hinter den Revieren an Lahn und Dill nicht zurücksteht, so liegt das einmal an der Leichtschmelzigkeit des Basalteisensteins, der ein gern genommenes Erz namentlich für Gießereieisen darstellt andrerseits an der leichten Greifbarkeit und Gewinnbarkeit dieses Erzes. Denn um den Basalteisenstein handelt es sich dabei in erster Linie. Daneben kommen in Oberhessen noch die an devonischen Kalk und Schiefer gebundenen Eisen- und Eisenmanganerze in Betracht. Die Basalteisenerze sind - wie man heute wohl allgemein mit HARRASSOWITZ annimmt - Erzeugnisse einer klimatischen Oberflächenverwitterung, die aus dem Material der weitausgebreiteten basaltischen Massen einerseits die Tonerde, andrerseits das Eisen herauslöste und auf die Wanderschaft schickte. Der Wiederabsatz in Gelform sowie spätere Umformungen führten zu einer Konzentration des Eisens auf Spalten und Absonderungsflächen des Restes an Basaltmaterial oder des Liegenden davon. HARRASSOWITZ setzt diese Vorgänge ins Obermiozän, KLÜPFEL ins Altpliozän. Letzteres ist in Ansehung der Altersfrage der Basalte des Vogelsberges wahrscheinlicher. ...