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Die Entstehung der Siegerländer Spateisensteingänge und ihrer Störungen im Zusammenhang mit dem Vorgang der Druckschieferung

Breddin, H.

Kurzfassung

Unter den gangförmigen Minerallagerstätten Deutschlands nehmen die Siegerländer Spateisensteingänge eine Sonderstellung ein. Das gilt sowohl für ihre Ausfüllung, als auch im besondern Maße für die eigenartige Gangtektonik. Mit Recht spricht daher BORNHARDT (1910) von einem besonderen, nur diesem Gebiet eigenen ,Siegerländer Gangtypus". Man hat die verwickeltsten tektonischen Annahmen gemacht, um die Entstehung und den Gebirgsbau der Gänge zu erklären. So sollen mehrere verschiedenartige tektonische Vorgänge, Zerrungen und Pressungen abwechselnd, seit dem Unterdevon aufeinander gefolgt sein und im Laufe der Zeit jenes komplizierte Bild geschaffen haben, das die Gänge und ihre Tektonik heute bieten (QUIRING 1933). Hier ist ein anderer Weg beschritten. Der Vorgang der Gangbildung sowie die Herausbildung der Gangtektonik wird samt seinen Nebenerscheinungen im wesentlichen auf eine einzige einheitliche tektonische Beanspruchung zurückgeführt, auf den bislang in seiner Bedeutung stark unterschätzten Vorgang der Druckschieferung, dessen Wesen erst in jüngster Zeit eine Klärung erfahren konnte. (BREDDIN 1931). 1. Die Entstehung der Gangausfüllung: In seinem grundlegenden Werke über die Siegerländer Gänge hat W. BORNHARDT. 1910 dargelegt, daß Eisenspat und Quarz die beiden ältesten Hauptbestandteile der Siegerländer Gänge sind. Diesen Ausscheidungen soll der Absatz der geschwefelten Erze, vor allem des Kupferkieses, des Bleiglanzes und der Blende, im wesentlichen gefolgt sein. Spätere Forscher haben die BORNHARDT'schen Ergebnisse in der Hauptsache bestätigt. Sämtliche Gangminerialien deutete BORNHARDT als apomagmatisch, d. h. als Absätze wässriger Lösungen, die aus einem unbekannten in der Tiefe erstarrenden Magma aufgedrungen sind. Die späteren Bearbeiter, vor allem HENKE und QUIRING, sind ihm darin gefolgt. Schon 1926 hatte ich indessen der Auffassung Ausdruck gegeben, daß der Spateisenstein sowie der weiße Quarz aus dem sehr eisenkarbonatreichen Nebengestein der Gänge herzuleiten sei. Es gelang damals zwar, diese Deutung stichhaltig zu begründen, jedoch noch nicht, eine einleuchtende Erklärung für sie zu finden. Erst spätere Forschungen über die Natur der Druckschieferung haben sie möglich gemacht. ...