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Rezenter Vulkanismus und die Bildung von Eisenerzen

Behrend, Fritz

Kurzfassung

Der amerikanische Geologe GRUNER berechnete, daß die gewaltigen Wassermassen des Amazonenstromes bei ihrem geringen Gehalt von nur 3 mg Eisen im Liter imstande seien, in der geologisch kurzen Zeit von 176 000 Jahren eine Eisenanhäufung vom Ausmaße des Mesabi Range zu bilden. Diese theoretische Möglichkeit bestünde aber nur dann, wenn der Amazonas außer dem Eisen keine anderen Bestandteile führte. Von den in seinem Wasser echt gelösten Stoffen bildet aber das Eisen nur einen kleinen Bruchteil, außerdem enthält es eine erhebliche Menge von suspendierten Teilchen. Vor seiner Mündung entsteht daher nur ein toniges Sediment mit normalem Eisengehalt. Sedimente, die wir als Eisenerze ansprechen, können also nur aus Lösungen entstehen, deren Eisengehalt bei der Sedimentation so hoch ist, daß er alle andern gelösten und suspendierten Stoffe überwiegt. In der Natur werden diese Bedingungen auf sehr verschiedene Weise verwirklicht. Die Förderung von Eisen durch vulkanische Quellen ist eine dieser Möglichkeiten, die vielleicht nicht genügend Beachtung gefunden hat. In der Gegenwart geht eine derartige Bildung von Eisenerzsedimenten im Santorin-Archipel im ägäischen Meere vor sich. (Abb. 1) Seit dem 15. Dezember 1869 kennt man durch FOUQUÉ mehrere Gasquellen, die an den Rändern der Kameni-Inseln des Santorin-Archipels vom Meeresgrunde emporsteigen und die sich dadurch besonders bemerkbar machen, daß die Oberfläche des Meerwassers über den Austrittsstellen auffällig gelbbraun gefärbt ist. Ein bereits von FOUQUÉ erwähnter Quellpunkt (Punkt E) lag ursprünglich in der Bucht Kokkina Nera (Abb. 2), die heute durch Lavaströme zugeschüttet ist und die früher die heute mit der Hauptinsel verbundene Insel Mikra Kameni abtrennte. Seit der Ausfüllung der Bucht haben sich zwei neue Austrittspunkte des Gasstromes an dem NO-Rande der Insel Mikra Kameni gebildet. (Punkte E1 und L.) Vermutlich wanderten die Gase von ihrem alten Kanal (E) unter den jungen Lavaströmen nach Norden bis zu den heutigen Austrittsstellen hin; daß neue Quellen entstanden seien, ist in diesem Falle wegen der Art des Auftretens nicht wahrscheinlich. Seit Juni 1930 zeigten sich aber an diesen Austrittsstellen keine Gase und Eisenabscheidungen mehr. ...