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Zur Altersdeutung des Vordevons im westsudetischen Schiefergebirge

Dahlgrün, Fritz

Kurzfassung

Nordöstlich des Kristallins des Iser- und Riesengebirges und des Lausitzer Granites erstreckt sich aus der Gegend nördlich von Görlitz bis an den Gneis der Eule das westsudetische Schiefergebirge (s. Abb. 1). Es tritt in diesem Zuge nicht überall an die Oberfläche, sondern ist vielfach von jüngeren Ablagerungen überdeckt. Dazu hat eine jüngere Tektonik den alten Faltenbau weitgehend verändert. Mulden des Deckgebirges, vor allem mit Rotliegendem und Kreide, zergliedern das Grundgebirge in z.T. schmale, nordwestlich gerichtete Schollen. Im heutigen morphologischen Bild ist sodann der Sudetenrandbruch von größter Bedeutung. Er trennt das eigentliche Schiefergebirge, im östlichen Teil auch Bober-Katzbachgebirge genannt, von dem nördlich vorgelagerten vorsudetischen Schiefergebirge. Die stratigraphische Erforschung der alten Schichten des Bober-Katzbachgebirges und des Lausitzer Gebirges bei Görlitz ist erst in den letzten Jahrzehnten in Fluß gekommen. Man kannte zwar schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts Graptolithen des Obersilurs aus Kiesel- und Alaunschiefern verschiedener Fundpunkte, aber die Zurechnung der übrigen Schichtglieder, der Kalke, der Grünschiefer, der Quarzite und der Phyllite und der weniger metamorphen Tonschiefer lag im Dunkel. Um hier zu einem Ergebnis zu kommen, mußte das der geologischen Erforschung so spröde gegenüberstehende Gebiet erst einer Spezialkartierung unterzogen werden. Diese wurde im Bober-Katzbachgebirge von E. ZIMMERMANN durchgeführt. Die Gliederung des Altpaläozoikums mußte dabei notgedrungen lediglich auf Grund petrographischer Merkmale durchgeführt werden. Über die Schwierigkeiten dieser Kartierung und ihre Ergebnisse hat E. ZIMMERMANN (1916, 1926) mehrfach berichtet. Schon früher hatte er (ZIMMERMANN 1908) bei Görlitz im Hangenden der dort auftretenden mächtigen Kalke einige Trilobitenfunde in roten Schiefern gemacht, die zunächst für oberdevonisch gehalten wurden. Eine neuerliche Revision durch R. & E. RICHTER (1923) ergab jedoch die überraschende Tatsache, daß es sich um kambrische Formen handelt. Richtungweisend für die neueren Arbeiten war sodann die wichtige Feststellung von ZIMMERMANN (1916, S. 16 u. 24-25), daß das ,Deckgebirge" des Bober-Katzbachgebirges schon mit dem konglomeratischen Oberdevon und Kulm beginnt, daß die Faltung und Metamorphose des Schiefergebirges älter ist. ...