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Kolloidität und Erdkrustegestaltung

Arend, J. P.

Kurzfassung

Wenn auch den Forschungen über die geochemische Migration der Elemente der Gedanke zugrunde lag, die geophysischen, geochemischen und geologischen Umänderungen in ein gemeinsames Bild zusammenzufassen, um dieselben schließlich gemeinsamen Gesetzmäßigkeiten zu unterziehen, so beschränkten sich die bekanntgegebenen Forschungsergebnisse immer nur auf eine mehr beschreibende Deutung einiger vereinzelter Vorkommnisse der Erdoberfläche. Theoretisch wurden die Migrationserscheinungen nie besprochen, wenigstens nicht in dem Sinne, daß man zu einer beweisbaren Klärung der Urverhältnisse hätte kommen können. Insbesondere wurden die primären reversiblen Reaktionen, die unter der Einwirkung elektrischer Potentialdifferenzen sich abspielten, aufgefaßt und behandelt als rein chemische Affinitätsreaktionen, wie sie aus dem Löslichkeitsprodukt aus Elektrolyten zustande kommen. In maßgebender Weise haben aber diese chemischen Affinitätsreaktionen sich weder an der Flockung der Sedimente und darüber hinaus an der Schichtfolge, noch an einer sekundären Umwandlung der Sedimente beteiligt. Wir werden versuchen, diese Fragen zu klären, einerseits durch die chemisch-physikalische und die petrographische Behandlung spezifischer Verhältnisse, andererseits durch die Wechselbeziehungen, die Natur und Wesen der Sedimentgesteine an die subkrustalen Gleichgewichte der Erdkruste knüpfen. Einleitung: Vor einigen Jahren versuchten wir, für rein technologische Zwecke die molekularen Beziehungen der verschiedenen oolithischen Erzschichten des Brieyer Beckens zu klären. Am Anfang dieser Arbeiten stand naturgemäß die sehr umstrittene Frage über die Herkunft der Eisenverbindungen. VILLAIN hat zuerst den Gedanken zum Ausdruck gebracht, die lokalen Häufungen angereicherter Eisenerze, die sich stellenweise in der Nähe von Verwerfungen im Brieyer Becken vorfinden, mit thermalem Wasser in Verbindung zu bringen. Mangels sonstiger Präzisionen fand diese Theorie keine besonders günstigen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Erörterung versteifte sich eher in verstärktem Ausmaße um primäre Ablagerung oder um Aufschüttung oder um Metasomatose, ohne daß von irgendeiner Seite eine maßgebende oder eine beweisbare Entscheidung herbeigeführt worden wäre. Unter diesen Umständen begannen wir im Jahre 1931 mit orientierenden Gefügeuntersuchungen, die sich auf alle oolithischen Schichten des luxemburgisch-lothringischen Minettebezirks erstreckten. ...