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Sachsen und die Paläobotanik in Deutschland

Gothan, Walther

Kurzfassung

Das Sachsenland und seine Forscher haben in der deutschen Paläobotanik seit jeher eine große Rolle gespielt. Es erscheint mir daher nicht unangebracht, bei der diesjährigen Tagung der Gesellschaft in Dresden auf diese Rolle und ihre Ursachen hinzuweisen und etwas näher einzugehen. Das, was Sachsen vor andern Ländern Deutschlands für das Studium der fossilen Flora voraus hatte und dem nichts Gleiches an die Seite gestellt werden kann, sind die strukturzeigenden Rotliegendpflanzen von Chemnitz. Seit langem haben diese Reste die Forscher gereizt. Schon im 18. Jahrhundert finden wir Abhandlungen über sie in Werken über Versteinerungskunde. Die Psaronien, Medullosen, Araucariten usw. sind weltbekannt und Weltwunder, und ihre Namen stammen z. T. von Sachsen her (Psaronius, Medullosa). Sie sind zwar über viele Sammlungen verstreut; ein besonders schönes Denkmal hat man ihnen im Chemnitzer Museum in Gestalt des ,Sterzelianums" gesetzt, wo eine große Anzahl besonders wertvoller Stücke zusammengestellt ist. Aber auch die Dresdener und die Berliner Sammlungen enthalten wertvolle Materialien davon. Eine besondere Zierde des Zwinger-Museums bildet ein anderer verkieselter Stamm aus der Kreide, die Raumeria reichenbachiana, der schönste unter den wenigen in Deutschland gefundenen verkieselten Bennettiteenstämmen. Aber nicht nur strukturzeigende Reste der früheren Floren hat Sachsen aufzuweisen, sondern auch die Flora der Abdrücke vom Unterkarbon durchs Oberkarbon, dann im Rotliegenden, weiter in der Kreide und schließlich im reichen Maße die Braunkohlenflora sind vorhanden. Bei solcher Fülle der Funde ist es kein Wunder, wenn das Land Sachsen wie auch die sächsischen Forscher selber einen Ehrenplatz in der Geschichte unserer Wissenschaft in Deutschland einnehmen, und weiter, daß auch zahlreiche Forscher anderer Länder, sogar des Auslandes, ihr Interesse durch Beschäftigung mit bestimmten Typen der fossilen Flora Sachsens gezeigt haben. Lassen wir einmal die wichtigsten Forscher Sachsens und der sächsischen fossilen Flora heute kurz an uns vorüberziehen. Das wird besser als andere Worte zeigen, daß das bereits im Eingang vorausgespendete Lob nicht übertrieben ist. Bereits mit dem Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir in MYLIUS, Saxonia subterranea (1709) eine Anzahl fossiler Pflanzen abgebildet und beschrieben, allerdings nicht aus dem heutigen, sondern aus dem damaligen Großsachsen, nämlich u. a. aus dem thüringischen Gebiet. ...