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Die Eignung der Ostrakoden zu stratigraphischen Zwecken

Weber, Hans

Kurzfassung

Seit durch die Erdölgeologie auch die Mikropalaeontologie einen weiteren Interessenkreis gefunden hat, sind neben den Foraminiferen auch die Ostrakoden mehr und mehr in den Vordergrund getreten. Ein Beweis dafür ist die ziemlich umfangreiche neuere Literatur über Ostrakoden, die besonders in amerikanischen Zeitschriften herausgekommen ist. Sie werden bisher jedoch weniger bei Begutachtungen von Bohrproben herangezogen, bei denen ja in erster Linie die Foraminiferen eine Rolle spielen. I. Oberdevon: Durch die Bearbeitung der Ostrakoden des Oberdevons von MATERN (1929) sind diese zu einem wichtigen Faktor der Oberdevonstratigraphie geworden. Insbesondere haben sie bei der Gliederung der sandig-schiefrigen Entwicklung des Oberdevons größere Bedeutung erlangt. Hier bieten sie einen guten Ersatz für die Cephalopoden und Trilobiten, da sie nicht an eine bestimmte Fazies gebunden sind und sowohl in der Entwicklung der Cephalopodenkalke, als auch der Cypridinenschiefer und Sandsteine in großen Mengen auftreten. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, letztere mit den Cephalopodenkalken zu vergleichen und zu gliedern. Die Ostrakoden erlauben nicht nur, die einzelnen Oberdevonstufen (Adorf- bis Dasbergstufe) auseinanderzuhalten, sondern auch und zwar besonders im tieferen Oberdevon (Adorf- und Nehdenstufe) die einzelnen Zonen der Cephalopodenfazies. Mit geringen Ausnahmen ist es die Gesamtostrakodenfauna, die die Oberdevonstufen kennzeichnet (s. Tab. 1). Es ist also eine klare Trennung der einzelnen Stufen mit den Ostrakoden möglich. Ich hatte Gelegenheit, diese Erfahrungen praktisch bei der Bearbeitung des Oberdevons der Attendorn-Elsper Doppelmulde im mittleren Sauerland zu verwerten. Der Mangel an geeigneten Makrofossilien hatte eine Gliederung bisher nach stratigraphischen Gesichtspunkten unmöglich gemacht. Das Oberdevon der Doppelmulde wurde lediglich nach der petrographischen Ausbildung gegliedert, wodurch ein etwas verworrenes tektonisches Bild entstanden war. Durch die Bearbeitung der dort massenweise auftretenden Ostrakoden war eine eingehende Gliederung des Oberdevons möglich geworden und damit auch eine Klärung der tektonischen Fragen. Das Alter der im östlichen Teil der Doppelmulde auftretenden Konglomerate konnte als mittlere Dasbergstufe bestimmt werden. ...