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Dresden und die Pflege der Geologie

Zaunick, Rudolph

Kurzfassung

Wenn zwar die Hauptversammlungen der Deutschen Geologischen Gesellschaft aktueller Wissenschaft gewidmet sind, so darf doch einmal auch der Historiker der Naturwissenschaften zu Worte kommen. Ich will nicht sprechen von der geschichtlichen Entwicklung eines fachlichen Problems, auch nicht von Leben und Werk eines überragenden Forschers, sondern davon, wie hier in Dresden die Geologie einst getrieben wurde, und auf welch alter und guter Tradition die jetzigen Dresdner Geologen fußen. Sie alle kennen den Namen des sächsischen Mediziners GEORG AGRICOLA (1494-1555), der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die mineralogisch-geologische Renaissance einleitete dadurch, daß er die Synthese des traditionellen literarischen Wissens mit dem empirisch-praktischen Wissen der Berg- und Hüttenkundigen vornahm. Bei einem Zeitgenossen AGRICOLA'S, bei dem aus Dresden gebürtigen JOHANNES KENTMANN (1518 bis 1574), stand die Naturbeobachtung gegenüber der Tradition schon ganz im Vordergrund. KENTMANN besaß eine Sammlung von beinahe 1700 zumeist sächsischen Mineralien und Gesteinen, die er 1565 bekannt machte durch seine in C. GESNER'S Sammelwerk ,De omni rerum fossilium genere... libri aliquot" (Zürich 1565) erschienene ,Nomenclatura rerum fossilium", den ersten gedruckten Katalog einer solchen Sammlung überhaupt. Den kompilatorischen Abschluß dieser ersten Periode sächsischer Bodenbeschreibung bildet die in Dresden 1590 erschienene ,Meißnische Bergk Chronica" des kurfürstlichen Sekretärs und Archivregistrators PETER ALBINUS (1543 [nicht 1534]-1598). Beider Landesherr war Kurfürst AUGUST VON SACHSEN (1526-53-1586). Dieser intellektualistisch-wissenschaftlich eingestellte Fürst begründete 1560 in Dresden die Kunstkammer, aus der unsere Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen sich herleiten. Wir wissen, daß in diesem Kabinett z. B. eine von dem italienischen Bildhauer GIOVANNI MARIA NOSSENI zusammengebrachte Suite von 32 sächsischen Gesteinen und Mineralien lag, daneben noch manches andere irdene Gebilde. Den Kurfürsten bestimmten für diese Sammlung sicherlich volkswirtschaftliche Gesichtspunkte. Der sächsische Bergsegen floß infolge Sinkens des Silberpreises immer spärlicher. Durch Hebung der U r Produktion seines Landes suchte AUGUST die damalige Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Und so erklärt sich auch sein Befehl an NOSSENI, die zur Kunstarbeit nötigen Gesteine in seinen sächsischen Landen auszuforschen und zu sammeln. ...