Original paper

Ueber Farbmessungen in der Geologie - erläutert an einem Profil durch die Untere Kreide

Kumm, A.

Kurzfassung

Die in den letzten zehn Jahren in unmittelbarer Nähe der Stadt Braunschweig entstandenen vorzüglichen Aufschlüsse in den Tonen der Unteren Kreide zeigten einen derartig mannigfaltigen Wechsel im Aussehen der verschiedenen Schichtenkomplexe, daß es nicht mehr angängig ist, diesen Teil der Kreideformation als petrographisch gleichartig oder ,eintönig" hinzustellen. Es erwies sich, daß ein großer Teil der stratigraphischen Horizonte, Zonen oder Stufen, sich im petrographischen Habitus deutlich unterscheiden läßt, so daß der Gedanke nahe lag, durch den Vergleich von Bohrproben mit stratigraphisch sicher bestimmten Proben, eine Altersbestimmung der Bohrproben vorzunehmen. Das ist ein Verfahren, das vom praktischen und kartierenden Geologen seit jeher angewendet wird, soweit es sich um Gesteine mit einer gewissen Abweichung in irgendeiner Richtung handelt, wie z. B. um bituminöse Blättertone, um besonders helle Kalkmergel oder um rotgefärbte Tonmergel. Derartige Gesteinsbänke treten aber mehrfach im Unterkreideprofil auf, so daß auch bei ihnen Verwechslungen leicht möglich sind. Makrofossilien fehlen leider häufig, und es ist daher zu verstehen, daß die moderne Erdölgeologie auch in Norddeutschland sich mehr und mehr den Mikrofossilien, besonders den Foraminiferen, zuwendet, die in jeder größeren Bohrprobe in hinreichender Menge vorhanden sind und die nach den Untersuchungen von EICHENBERG, PERSCH und RECHT eine Zerlegung der Schichtenfolge in einzelne wohl unterscheidbare Abschnitte vorzunehmen gestatten. Aber auch chemische Analysen und rein petrographische Mikrountersuchungen, wie die statistische Feststellung der Beteilung bestimmter Mineralgruppen oder des Anteils bestimmter Korngrößenklassen an der Zusammensetzung der Tone gestattet eine genauere stratigraphische Gliederung, wie sich aus den Untersuchungen meines Schülers F. KIRCHHOFF ergibt. Alle derartigen Methoden setzen eine bestimmte Vorbildung des Analytikers voraus, sind zeitraubend und z. T. auch ungenau, soweit sie eine bestimmte, nicht exakt festzulegende Vorbehandlung der Proben verlangen. Was diesen Methoden weiterhin mangelt, ist, daß ihr beschreibender Wert sehr gering ist. Sie vermitteln keinen Eindruck von dem Aussehen des betreffenden Gesteins. ...