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Die Ausbildungsformen des Staßfurt - Lagers am Roßlebener und Bernburger Sattel in ihrer Beziehung zur Tektonik

Ahlborn, Otto

Kurzfassung

Die wichtigsten Untersuchungsergebnisse der vorliegenden Arbeit lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 1. Die Hangendgruppe der Staßfurt-Region zerfällt bei Hartsalzausbildung im Roßlebener und Bernburger Gebiet in zwei Horizonte, von denen der untere gut ausgeprägte ,primäre" Schichtung aufweist, der obere infolge Umkristallisation schlecht geschichtet zu sein pflegt. 2. Die von A. TINNES untersuchten Salzarten des Kalilagers können noch modifiziert werden und sind dann folgende: 1. Normales Hartsalz, 2. Halitische Ausbildungsform, 3. Langbeinitische Ausbildungsform, 4. Sylvinitische Ausbildungsform, 5. Carnallitische Ausbildungsform. Hierbei stellt die halitische Ausbildung bergbaulich die eigentliche ,Vertaubung" dar und die sylvinitische die Anreicherung. 3. Diese Faziesformen ordnen sich im Kalilager in bestimmter Reihenfolge seitlich an. Sie ist: Halitische Ausbildung - Langbeinitische Ausbildung - Normales Hartsalz - Sylvinitische Ausbildung - Carnallitische Ausbildung. Die halitisch-langbeinitische und die Carnallit-Ausbildung verhalten sich nach ihrem Mineralbestand als Gegenpole. 4. Ein Vergleich zwischen der Lagerung der 10. Unstrutbank und dem Steinsalzbesteg im Unstrutgebiet ergibt zunächst das Vorhandensein beträchtlicher Disharmonien, ,Inkonformitäten" der Faltung. Diese sind bestimmten Regeln unterworfen. So pflegt z.B. eine breite Mulde der 10. Unstrutbank von einem breiten Sattel des Steinsalzbesteges überlagert zu werden. 5. Die Faltungsdisharmonie kann für das Lager eine Mächtigkeitsvermehrung oder -verminderung ergeben. Im ersten Fall ist vom positiven, im zweiten vom negativen Exzeß gesprochen. Bestimmte Gesetzmäßigkeiten zwischen den Lagerungsverhältnissen und der Salzausbildung lassen sich dann folgendermaßen formulieren: Gebiete negativen Exzesses fallen mit halitisch-langbeinitischen Zonen zusammen. Die sylvinitische Ausbildung schließt sich den Zonen geringerer, die carnallitische denjenigen stärkerer positiver Exzesse an. Sattelzonen der 10. Unstrutbank trennen die sylvinitische von der carnallitischen Ausbildung. Die Zonen schwacher Aufwölbung der 10. Unstrutbank tragen die halitisch-langbeinitische Hartsalzausbildung über sich. 6. Die Achsen der Spezialfalten innerhalb der Staßfurt-Region laufen durchweg den großtektonischen Elementen parallel. 7. Im Bernburger Gebiet fallen die Stirnen der fast allgemein zu flachen Decken ausgezogenen Spezialsättel mit den Hartsalz-Carnallit-Grenzen zusammen, wobei Carnallit das Überfaltete darstellt. 8. Die Decken sind hier vorherrschend in Großmulden eingelagert, zu denen hin sie überwiegend von den südlich anschließenden Großsätteln abgeflossen sind. 9. Hartsalz ist die Fazies der durch negativen Exzeß ausgezeichneten Überdruckzonen, Carnallit das Gestein der durch positiven Exzeß charakterisierten Unterdruckzonen. 10. Aus dem Vergleich der mineralogischen und chemischen Zusammensetzung der verschiedenen Salzarten ergibt sich eine allgemeine Stoffverschiebung vom halitisch-langbeinitischen Hartsalz weg zum Carnallit, bei der vor allem MgCl2-Lauge der Stoffträger war. 11. Die gesetzmäßigen Beziehungen zwischen Tektonik und Salzausbildung sprechen dafür, daß die Tektonik ein den Verlauf der Stoffsonderung und die Stoffanordnung mitbedingender Faktor ist.