Original paper

Großformen in Norddeutschland

Solger, F.

Kurzfassung

Die Ergebnisse, über die ich berichten will, knüpfen an Gedankengänge an, über die ich schon im Jahre 1923 auf der Hauptversammlung der Dtsch. Geol. Ges. in München sprach. Ich nannte meinen Vortrag damals ,Das Gesamtbild der jungtertiären Faltung". Da er bisher nicht im Druck erschienen ist, muß ich kurz seine Hauptpunkte hier vorausschicken. Ich war damals von folgenden Voraussetzungen ausgegangen: Die großen Vorgänge der Gebirgsbildung waren auf kurze Zeiten der Erdgeschichte beschränkt, dann aber haben sie die ganze Erdoberfläche umfaßt. In den dazwischen liegenden Zeiten der Gebirgsruhe sind die Gebirge verhältnismäßig schnell wieder eingeebnet worden. Die letzte derartige Phase der Gebirgsbildung lag im Quartär, vorauf ging eine junglertiäre, davor lag eine Phase am Schluß der Kreideformation (ich habe mich dabei auf Hauptphasen beschränkt). Die Spätkreidephase war wesentlich eingeebnet, als die jungtertiäre eintrat. Die quartäre tritt an Stärke hinter der jungtertiären zurück. Unter diesen Voraussetzungen, deren Berechtigung mir für China aus meinen dortigen Beobachtungen zu folgen schien (diese Ztschr. 1920, Mon.-Ber. S. 210-231), stellen die heute morphologisch hoch heraustretenden Gebirge in der Hauptsache das Ergebnis einer jungtertiären Faltung dar. Vernachlässigt man die Abweichungen davon, dann muß das Gesamtbild der Hauptgebirge der Erde das ,System" der jungtertiären Faltung zeigen. Ergibt sich, daß es in der Tat als Gesamtbild einfachen Gesetzmäßigkeiten folgt, dann ist damit nicht nur die Berechtigung der gemachten Voraussetzungen erheblich gestützt; sondern aus dem Gesamtbilde müssen sich dann auch Schlüsse auf die Ursachen ziehen lassen. Dies Gesamtbild wird nun überraschend einfach, wenn man es in Beziehung setzt zu einem gegen den heutigen verschobenen Erdpol, der in der Mitte von Grönland läge. Ich werde deshalb das System kurz das Grönlandsystem nennen. Abbildung 1 gibt einen Überblick. Sie ist eine Merkatorprojektion des Bildes, das man erhält, wenn man einen Zylindermantel um die Erde legt, dessen Achse die Erdoberfläche auf 20° östl. Länge von Greenwich unter 20 Grad südlicher Breite träfe.