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Gebirgsbewegungen im Südbayerischen Dreiecksnetz?

Schwinner, Robert

Kurzfassung

Was MAX SCHMIDT-München von 1906 ab über die ,Südbayerische Dreieckskette" usw. veröffentlicht hat, erregte Aufsehen weit über die Kreise hinaus, welche sonst mit dem spröden Fach der Erdmessung sich befassen; es wurde zur Grundlage verschiedener geologischer Deutungen und Schlußfolgerungen genommen, und ist sogar bis in die elementaren Lehrbücher verbreitet worden. Nicht ohne Grund: hier schien ein Fortdauern der Alpenfaltung, als Gebirgsbewegungen im Vorland der Alpen, zum ersten Mal durch unmittelbare, exakte Messung nachgewiesen. Trotz der Autorität jener Fach genossen, welche die SCHMIDT'schen Angaben vorbehaltlos akzeptiert hatten, konnte ich das sich daraus ergebende tektonische Bild nicht für richtig halten, und war dadurch veranlaßt, die geodätischen Unterlagen nachzuprüfen, wenigstens soweit als dies einem Laien im Vermessungswesen möglich ist. (Lit. 1 und 2.) Ich kam zu dem Ergebnis, daß der größte Teil der angeblichen Verschiebungen von Dreieckspunkten, die zwischen der in der eisten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführten Landesvermessung und der Vermessung der Südbayerischen Dreieckskette (1901-1905) stattgefunden haben sollten, in den Messungsfehlern zureichende Begründung findet. Dagegen schien mir der Umstand, daß fast sämtliche Trigon. Punkte gegenüber dem Anfangspunkte eine ,Westwanderung" zeigten, nicht mehr rein zufälligen Charakter zu haben, wenigstens zum Teil auf eine reale Komponente zurückzugehen; natürlich nicht, daß ganz Südbayern westwärts gewandert wäre, sondern daß sich eine kleine, in herzynischer Richtung länglich ausgedehnte Scholle, die den Anfangspunkt München trägt, um ebensoviel ostwärts bewegt hätte. Erfreulicherweise hat dies Beachtung in Geoätenkreisen gefunden, und eine genaue Nachprüfung des in Frage stehenden Vermessungsergebnisses durch Herrn PINKWART-Bremen zu Folge gehabt hat. (Lit. 3.) Auf Grund dieser bestätigte PINKWART wohl den ersten Satz, und auch manche Einzelheiten meiner Vermutungen, stellte dagegen den zweiten Satz, daß wenigstens in den Westwanderungen eine reale Komponente stecke, grundsätzlich in Frage. Die Restfehler, welche sich bei der von PINKWART vorgenommenen Neuberechnung ergaben, haben reinen Zufallscharakter (3, S. 454), und können daher nicht - wie MAX SCHMIDT es tat - als reale Punktverschiebungen gedeutet werden. (3, S. 450), solche ,lassen sich aus dem Material Prof. SCHMIDT'S überhaupt nicht nachweisen". (3, S. 446.) Damit ist dieses Kapitel erledigt, nicht ganz nach Wunsch, nicht durch ein sachliches Ergebnis, sondern durch die Erkenntnis, daß die Mittel unzureichend waren. Es fand sich aber nebenbei doch ein für den Geologen fast als positiv zu bewertendes Ergebnis. ...