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Kritische Erörterungen über die Deutung des ,Bertenauer Vulkans" (Westerwald) - Ein Beitrag zum Eruptionsgesetz der vorquartären Vulkane

Klüpfel, Walther

Kurzfassung

Im Jahre 1932 habe ich, gestützt auf meine vulkanologischen Beobachtungen im Westerwald, Siebengebirge, Vogelsberg und in der Rhön das Eruptionsgesetz der vorquartären Vulkane aufgestellt, welches besagt, daß Tuffe nur bei Senkung gefördert werden, Ergüsse aber nur bei Hebung erfolgen, so daß also Tuffmassen und Laven niemals in geologisch gleichen Zeiten auftreten können, sondern durch erhebliche Zeiten voneinander getrennt sind. Diese meine Vorstellungen stießen in Fachkreisen vielfach auf Zweifel und es erging an mich wiederholt die Aufforderung, einmal an einem ausführlichen Beispiel die Methodik der vulkanologischen Analyse zur Darstellung zu bringen. Da sich nun in der neuesten Literatur Angaben finden, die mit meinen Beobachtungen und Vorstellungen in offenem Widerspruch stehen, und die Gefahr vorliegt, daß solche Ausführungen als Material gegen das Vulkangesetz gewertet werden, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, diese Ergebnisse der Literatur einer kritischen Nachprüfung zu unterziehen und zugleich eine Begründung für meine vulkanologischen Anschauungen zu liefern. Begonnen sei mit dem ,Bertenauer Vulkan" bei Neustadt a. d. Wied im Westerwald, welcher seit Alters her die Aufmerksamkeit der Geologen auf sich gezogen und kürzlich durch AHRENS und BURRE eine Neubearbeitung erfahren hat. Anlaß zu meinen Untersuchungen gibt mir die Angabe von O. BURRE (1934 S. 101), daß sich hier mehrere dicht aufeinander folgende Phasen mit wechselnden Tuffausbrüchen und Lavaergüssen nachweisen ließen. Auf der ca. 280-300 m hohen Devonhochfläche, die sich südlich Neustadt/Wied ausdehnt, breiten sich zwischen Bertenau, Jungfernhof, Manroth und Neschen-Ferntal Basalte aus (Blatt Asbach und Waldbreitbach). An den isolierten Basaltberg des Bertenauer Kopfes (352 m) schließt sich im Süden eine flache Decke (Büchel 335 m) an, welche im Nordosten im Telegraphenberg (349,7 m) ihre höchste Erhebung erreicht. Die zahlreichen Steinbrüche lassen an der Basis krotzig-poröse Massen, die sogenannten Schuttköpfe oder Buckelmeier der Arbeiter erkennen, welche gegen oben in kompakten Pfeilerbasalt übergehen. Dem geschlossenen Basaltplateau ist im Norden ein isoliertes steiles Küppchen, die Altnackskaule, vorgelagert. Eine I halbmondförmig-erosive Ausbuchtung südlich der Altnackskaule wurde früher als Bertenauer Vulkan angesprochen und ein alter Steinbruch am Nordwestfuß der Altnackskaule wird noch heute von der Bevölkerung als ,Krater" bezeichnet.