Original paper

Falten und Brüche im nördlichen Harzrand-Gebiet

Richter, Gerhard

Kurzfassung

Problemstellung: Der Nordrand des paläozoischen Harzrumpfes ist eine tektonische Linie allererster Ordnung. Ihre Gesamterstreckung ist zwar WNW-OSO; das gab dieser Richtung den Namen ,herzynisch". Aber ihr Verlauf im einzelnen halt sich nicht an das Streichen von N 110-120° O. Die Überschiebung am Nordfuß des Harzes stellt im Grundriß vielmehr eine großgewellte Linie dar. Ihre einzelnen Stücke streichen - sich fiederartig ablösend - NW bis NNW und NO bis ONO. Die nordwestlich verlaufenden Abschnitte sind die längeren. Sie bestimmen somit die Gesamterstreckung des nördlichen Harzrandes. Die Grenze zwischen den beiden großen tektonischen Einheiten ,Harz" und ,Subherzyn" (Harzvorland) ist im Westen durch die Harzrandüberschiebung gegeben. Man muß auch nach dem Ausklingen dieser Störung gegen Osten die beiden Begriffe noch auseinanderhalten Hier wo die Randverwerfung fehlt, mag uns der Ausstrich des Zechsteins die Lage der Schwächelinie zwischen den beiden Einheiten andeuten Denn die Hettstedter Gebirgsbrücke setzt die Rolle des Harzes gegen Osten fort. Sie ist streng geschieden vom nördlichen Vorland. Dieses also das ,subherzyne Becken", geht als Mulde im Osten erst mit dem Ausklingen von Trias bzw. Zechstein zu Ende, frühestens in der Höhe von Dessau. So reicht der ,Harzrand" von Langeisheim über Ermsleben bis Wieskau bei Gröbzig. Die Tatsache des zickzackartigen Verlaufes des Harzrandes geht aus jeder Karte klar hervor (Abb. 1). Buchten springen in das Paläozoikum ein. Zacken stoßen in das Mesozoikum vor. Diese Gebilde sind nicht regelmäßig. Sie wechseln an Deutlichkeit, Größe, Abstand. Auch der Winkel der Buchten und Zacken variiert. Und doch sind sie einander im Prinzip äußerst ähnlich. Ebenso wenig einheitlich wie die Richtung des Harzrandes im einzelnen ist das Streichen der Falten im Subherzyn. Wir finden zwei Varianten der Richtung ,herzynisch". ,Flachherzynisch" in N 110-115° O und ,steilherzynisch" in N 140-150° O konkurrieren miteinander. Mittelrichtungen treten zurück. Oft wiederholt sich die gewundene Linie des Harzrandes im Vorlauf der mesozoischen Sättel. I. Sind die Randzacken ein Spiel der Morphologie? Sind sie aus einer schaufeiförmigen Gestalt der Überschiebungsfläche herzuleiten? Ist der heutige Verlauf auf spätere Verbiegung der Randstörung zurückzuführen? ...