Original paper

Ueber ein Kieselgestein mit Lithostrotion junceum aus Thüringen

Weissermel, W.

Kurzfassung

Vor kurzer Zeit machte Herr C. A. SCHMÖGER, Erfurt, einen merkwürdigen Fund. Auf dem Hühnerrücken zwischen Schellroda und Klettbach, zwischen Weimar und Erfurt, einer aus Muschelkalk bestehenden, von Oberem Muschelkalk bedeckten Höhe, fand er im Schutt des Trochitenkalkes das in Tafel 9 dargestellte, etwa faustgroße Gesteinsstück, das einen untercarbonischen Korallenstock einschließt. Er gab seinen Fund weiter an den Korrespondenten der Geologischen Landesanstalt, Herrn Studienrat Dr. P. MICHAEL in Weimar. Durch Herrn E. ZIMMERMANN I, dem dieser den Fund zur Bestimmung übersandte, kam derselbe an mich, wofür ich beiden Herren meinen besten Dank aussprechen möchte. Die Hälfte des Stückes stiftete Herr MICHAEL in dankenswerter Weise der Sammlung der Geol. Landesanstalt, die andere wird in seiner Privatsammlung aufbewahrt. Von beiden wurden für die Geol. Landesanstalt Längs- und Querschliff entnommen. Da es sich um ein ebenso merkwürdiges wie charakteristisches Vorkommen handelt, sei dasselbe hier näher beschrieben. Das vorliegende Stück ist ein gelbbraunes dichtes Kieselgestein von splitterig-muscheligem Bruch, das, einem hellgefärbten Feuerstein sehr ähnlich, als Hornstein zu bezeichnen ist. U. d. M. läßt es zahlreiche Fossiltrümmer erkennen, die es als einen verkieselten Kalk kennzeichnen. Auf der einen Seite, die wahrscheinlich lange Zeit an der Erdoberfläche gelegen hat, ist der eingeschlossene Korallenstock herausgewittert, auf den anderen Seiten zeigt das Stück die Formen einer mehrfach bestoßenen und etwas angewitterten Feuersteinknolle. Der Annahme eines längeren Transportes durch fließendes Wasser oder durch Eis steht nichts im Wege. Im Gestein eingeschlossen ist ein bündeiförmiger Korallenstock, der zunächst an eine Syringopora erinnert, bei näherer Betrachtung aber die gewölbten Böden und das stabförmige Säulchen eines Lithostrotion erkennen läßt. Auf den gerundet-flachen Seitenflächen des gelbbräunlichen Stückes, viel besser aber im künstlichen Querschnitt, tritt der Bau der eingeschlossenen Korallenröhren in weißer Farbe sehr deutlich hervor. Da die Ausfüllmasse der Röhren fast wasserklar ist, heben sich die milchweißen Korallenhartteile vorzüglich ab, ja, durch die Ausfüllmasse schimmern auch noch Septen und Säulchen hindurch, wenn sie auch selbst nicht mehr in der Schnittebene liegen. Die Erhaltung ist also als recht gut zu bezeichnen. ...