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Zum Verhalten von Salzgesteinen bei tektonischem Druck

Fulda, Ernst

Kurzfassung

Im Rahmen dieses kurzen Aufsatzes habe ich nicht die Absicht auf die letzten Ursachen der tektonischen Bewegungen (Kontraktionstheorie Schrägschollentheorie usw.) einzugehen. Ich gehe vielmehr vom tangentialen Druck aus, ohne die Ursache seiner Entstehung nachzuprüfen. Der tangentiale Druck wirkt zunächst nicht an der Erdoberfläche sondern in einer gewissen Tiefe. Unter dem Einfluß dieses Druckes haben die betroffenen Gebirgsschichten das Bestreben, auszuweichen. Freier Raum dafür ist in der Atmosphäre oberhalb der Erdoberfläche vorhanden. Die tektonischen Bewegungen, die bei Faltungen, Überschiebungen oder Bildung von Aufpressungsborsten stattfinden, sind bis zu einem gewissen Grade Ausweichbewegungen nach oben. Die bei diesen Bewengungen entstehenden tektonischen Formen sind nicht nur abhängig von der Richtung, Stärke und Nachhaltigkeit des Druckes, sondern auch von den physikalischen Eigenschaften des betroffenen Gebirgsmaterials. Dies zeigt sich besonders bei den Salzgesteinen, die unter verhältnismäßig geringem Druck in einen fließbaren Zustand übergehen und deshalb leichter Ausgleichsbewegungen machen können als andere Gesteine. Die chloridischen Salzmineralien geraten nach den Versuchen von A. GELLER (1924) bei 50° C unter folgenden Drucken in Fließbewegungen-Steinsalz bei 7100 kg/qcm, Sylvin bei 5200 kg/qcm, Carnallit bei 1600 kg/qcm. Sie zeigen untereinander weserttliche Unterschiede in der Druckempfindlichkeit. Alle werden aber leichter fließbar als die sulfatischen Salzmineralien, deren Fließdrucke bis jetzt aus Mangel an einer ausreichenden Apparatur noch nicht haben bestimmt werden können. Die verschiende Druckempfindlichkeit zeigt sich im Kleinen besonders häufig bei Carnallitgesteinen, die aus Wechsellagerungen von Carnallit-, Steinsalz- und Kieseritbänken bestehen. Der unter Druck leicht bewegliche Carnallit schiebt die widerstandsfähigeren eingelagerten Bänkchen wie Tücher zu kleinen Falten zusammen. Bei stärkeren Fließbewgungen werden sie ganz zertrümmert, so daß eine Breccienstruktur herauskommt. Manchmal werden diese Fließbewegungen durch die Reibung an dem verhältnismäßig starren Hangenden gehemmt, das über dem Älteren Kalilager aus Grauem Saltzon und Hauptanhydrit besteht. ...