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Holothurien-Kalkkörperchen aus dem Jura Norddeutschlands

Eichenberg, W.

Kurzfassung

Bei den Untersuchungen der tonigen Sedimente unserer norddeutschen Erdölablagerungen fallen im Jura die winzigen, sehr gut erhaltenen Reste von Holothurien auf. Sie erscheinen seltener im Lias, häufiger sind sie dagegen in einzelnen Horizonten des Doggers (Oppelia aspidoides OPP.). In den von mir bearbeiteten Unterkreidetonen Norddeutschlands, sowie in Bohrprobon des Malm und aus dem Tertiär sind diese Reste bislang nicht gefunden worden, sodaß ihr Auftreten im Bohrkern bis auf weiteres ein guter Hinweis auf Lias oder Dogger sein kann. Es handelt sich bei den gefundenen Resten um feinste, wasserhelle bis milchig-weiße Kalkkörperchen, die ehemals lose verstreut in der Haut und in den Ambulakralanhängen der Holothurien sich befunden haben. Ihre Anzahl ist nur sehr gering, da sie in der Haut und in den Ambulakralanhängen schon an sich sehr vereinzelt vorkommen; hinzu kommt weiter ihre außerordentliche Empfindlichkeit und Sprödigkeit, sodaß bei der späteren Sedimentation viele davon noch zerstört worden sind. Solche Kalkkörperchen, Rädchen, Ankerplatten und Anker sind bekannt aus dem Karbon, Zechstein, Jura, der Kreide und aus Ablagerungen des Tertiärs. (Nicht Norddeutschland.) Bei unseren Formen handelt es sich ausnahmslos um einfache, mehr oder weniger stark gekrümmte Bögen, um gerade oder wenig gebogene Stäbchen mit kleiner Öse und um angelhakenförmige Körperchen. Bei der zweiten Art (Stäbchen mit Öse) handelt es sich meistens um abgebrochene Teile der angelhakenartigen Formen. Die Länge der Teile schwankt zwischen 0,12 bis 0,65 mm. Die Dicke der Stäbchen beträgt bei den größten Exemplaren 0,06 mm, der Durchmesser einer großen Öse 0,21 mm. Im Lias (helmstedtense-Schichten) sind die Stäbchen mit Öse gefunden, die anderen Formen dagegen im Dogger. Über die Grundformen, den histologischen Bau der Kalkkörper, über ihre Entstehung gibt H. LUDWIG (1889-1892) Aufschluß. Ähnliche bzw. gleiche Formen beschreibt ISSLEI; aus dem Lias von Schwaben. Unsere Abbildungen entsprechen hier den Fig. 361, 362 und 365 auf Tafel VII, Palaeontographica, 55, 1908-1909. ISSLER rechnet die Roste zu Uncinulina polymorpha TERQUEM. Gleiche Formen, die den unsrigen durchaus entsprechen, weiden neuerdings von CRONEIS und Mc. CORMACK (1932) aus dem Pennsylvanian von Texas beschrieben. Hier sind sie als Ancistrum brownwoodensis CRONEIS (Taf. 21, Fig. 3-8, 19-22, 29, 39), als Ancistrum issleri CRONEIS (Taf. 18, Fig. 50, 52), als Ancistrum nicholsoni ETHERIDGE (Taf. 18, Fig. 31, 32) und als Anc. ludwigi CRONEIS gedeutet worden (Taf. 21, Fig. 2, 17, 18, 54). ...