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Über den stratigraphischen Wert von Geschiebeuntersuchungen in Norddeutschland

Woldstedt, Paul

Kurzfassung

Die Grundmoränen der Vereisungen Norddeutschlands führen leider keine Leitfossilien, aus denen, wie bei den älteren Gebirgsformationen, eine einfache und sichere Altersbestimmung möglich wäre. So ist man schon seit längerer Zeit darauf gekommen, die Geschiebezusammensetzung der verschiedenen Grundmoränen zu studieren, um hier, wenn möglich, charakteristische Unterschiede herauszubekommen, die anderswo eine sichere Erkennung der Grundmoränenbänke gestatten. Auf einige der bisher angewandten Methoden wird weiter unten kurz eingegangen. Es soll dabei nicht die Geschiebeforschung als Mittel zur Bestimmung der Bewegungsrichtung des Inlandeises besprochen werden, sondern nur die Geschiebeforschung als Mittel zur stratigraphischen Gliederung der norddeutschen Glazialablagerungen. Für diesen Zweck soll versucht werden, ein paar Grundsätze aufzustellen, die m. E. bei solchen Untersuchungen bisher nicht genügend beachtet worden sind. Die Frage, ob theoretisch überhaupt eine verschiedene Geschiebeführung der einzelnen Moränenbänke zu erwarten ist, ist gewiß zu bejahen. Zweifellos fand das erste vorrückende Inlandeis eine andere Oberfläche vor als die späteren. Es ist zum mindesten theoretisch möglich, daß gewisse Gesteine, die als Geschiebe in jüngeren Vereisungen auftreten, damals im Ausräumungsgebiet noch gar nicht an der Oberfläche lagen. Als Bezeichnung für Geschiebe, die eine gleichzeitige Ablagerung erfahren haben, d.h. in derselben Phase des Eiszeitalters von ihrer Heimat zu ihrer Fundstelle gelangt sind, und die daher zur vertikalen Gliederung des Diluviums geeignet sind, hat K. HUCKE (1926) den Fachausdruck ,homochrone Geschiebe" vorgeschlagen. Meines Wissens ist bisher noch in keiner Moränenhank ein sicheres ,homochrones" Geschiebe gefunden worden. Aber daß es gelingen muß, wenigstens lokale charakteristische Geschiebegemeinshaften zu finden, das erscheint mir sicher. Daß hierfür die unumgängliche Voraussetzung ein streng horizontiertes Sammeln ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Dies hat früher schon TH. TEUMER (1927) betont. Die homochronen Geschiebe oder, wenn es solche nicht oder nur wenig gibt, die Geschiebegemeinschaften, sind dem Fossilinhalt einer mesozoischen der paläozoischen Schicht vergleichbar. Diese sind zuerst im anstehenden Gestein in stratigraphisch gesicherter Lagerung festgestellt worden. ...