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Über Verwendung natürlicher Bausteine und ihre Benennung

Steuer, A.

Kurzfassung

Im Vergleich zu anderen Ländern Europas ist Deutschland in seinen gebirgigen Teilen an Gesteinen der verschiedensten Art, die sich zur technischen Verwendung eignen, besonders reich. Über das Auftreten derjenigen, die nach ihrer petrographischen Beschaffenheit und wegen ihrer Widerstandsfähigkeit bei großer Verbreitung und lohnender Abbaufähigkeit mit Vorteil im Straßenbau benutzt werden, hat bereits Herr Kollege BURRE ein anschauliches Bild geliefert. Aber auch für andere Zweige des Ingenieurbaues und für den Hochbau bergen unsere Berg- und Hügelländer reiches Natursteinmaterial, nicht nur zu Hau- und Mauersteinen, sondern auch für die edelsten Zwecke bei Monumentalbauten, zur Veredelung durch Schleifen und Polieren, zu ornamentaler Bearbeitung, wie für Denkmäler u. a. m. Nur sollte man sich die Mühe nicht verdrießen lassen, sich im Vaterlande nach geeigneten sogenannten ,schönen" Gesteinen umzusehen. Wer sucht, der findet auch. Aber freilich, um etwas ,schön" zu finden, muß man auch die Eigenschaften, wie Zusammensetzung, Entstehung u. a. m. des Materials kennen. Der Begriff ,schön" ist eben ein relativer Begriff. Er darf sich nicht nur auf äußerliche Gesichtspunkte, die Mode, althergebrachte Gewohnheiten und Anschauungen gründen! Solche Forderung nach mehr Verständnis ist bei Gesteinen ganz besonders angebracht, gibt es doch viele unter ihnen, bei deren Betrachtung dem Kundigen ein ganzes Kapitel geologischer Entwickelungsgeschichte zum Bewußtsein kommt. Versteht man etwas davon, so ist das Interesse geweckt und damit auch die Empfindung für einen gewissen Grad der Schönheit. Diese müssen also anerzogen werden. Dahin zu wirken, darin sehe ich eine lohnende Aufgabe im geologischen Unterricht und in der Praxis. Solche aufklärende Arbeit sollte sich aber nicht nur auf die Baufachleute erstrecken, sondern auf alle, denn das Empfinden für die Schönheit des natürlichen Gesteins ist in Deutschland durch die Not, in die wir nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges geraten sind, stark verschüttet. Gehen wir, wie wir alle so sehnsüchtig hoffen, einem wirtschaftlichen Wiedererstarken entgegen, so wird sich auch im Bauwesen, namentlich im Hochbau ein Wandel vollziehen, und da kann die Erinnerung an den warmen und guten, wirkungsvollen Naturstein nicht früh genug wieder erweckt werden. Denn man kann mit gutem Recht sagen: Die Verwendung edler Natursteine im Hausbau ist eine Funktion des Wohlstandes. ...