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Über Erfahrungen mit Naturgesteinen im Straßenbau

Zelter, Wilhelm

Kurzfassung

Die Entwicklung des Straßenbaues im Deutschen Reich schreitet in heutiger Zeit mit Riesenschritten vorwärts. Es werden immer größere Anforderungen an die Materialauswahl und die Ausbauweise der Straßen gestellt, um den Belangen des sich stetig steigernden Verkehrs und der dadurch bedingten Stoffbeanspruchung gerecht zu werden. Neben der Befestigung der Straßenfahrbahnen mit Naturgesteinen, mit Holzpflaster oder Asphalt sind besonders nach dem Kriege eine große Anzahl neue, meist fugenlose, fast staubfreie und geräuschmindernde Straßenbefestigungsarten aufgekommen. Bei allen diesen Decken, mit Ausnahme jener aus Holz und Asphalt, besteht die weitaus größte Menge des Baustoffes aus Naturgesteinen. Nach einer Mitteilung der Fachgruppe ,Natursteine für Wege-, Bahn- und Wasserbau" wird die jährliche Leistungsfähigkeit der Steinindustrie Deutschlands auf 5 Millionen Tonnen Pflastersteine und rund 45 Millionen Tonnen Brecherprodukte, Packlage und Stücksteine angegeben. Der Absatz betrug im Jahre 1934 rund 1,5 Millionen Tonnen Pflastersteine und rund 21 Millionen Tonnen Brecherprodukte. Wenn auch von den Brecher-Produkten ein erheblicher Teil des Schotters für Eisenbahnzwecke benötigt wird, so sind doch diese Zahlen ein Beweis dafür, welch große Mengen Material jährlich für die Befestigung der Straßen benötigt werden. Die hierdurch verursachten Ausgaben rechtfertigen die Forderung, daß unter allen Umständen eine sorgfältige Auswahl des Materials erfolgen muß. Mißgriffe in der Auswahl eines Straßenbefestigungsmaterials bedeuten eine unverantwortliche Vergeudung des Volksvermögens. Die Auswahl des richtigen Materials ist aber äußerst schwierig, wenn man bedenkt, welch wechselvoller Beanspruchung das Deckenmaterial einer Fahrbahn, sei es Pflaster, Schotterung, Teer- oder Asphaltbelag, durch den Verkehr und die Atmosphärilien ausgesetzt ist. Es ist daher selbstverständlich, daß eine richtige Beurteilung der Eignung eines Naturgesteines für den Straßenbau nur einem Geologen, Petrographen oder einem gesteinskundlich vorgebildeten Ingenieur möglich ist. Es geht nicht an, ohne weiteres dieses oder jenes Gestein als gut oder schlecht zu bezeichnen. Es kommt lediglich darauf an, ob das zur Verfügung stehende Gestein für den vorliegenden Fall geeignet ist oder nicht. ...