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Die Entwicklung der Gesteinsprüfung und ihrer Verfahren, ihr heutiger Stand und ihre weiteren Ziele

BREYER, HANS

Kurzfassung

Die in die Millionen Reichsmark gehenden Beträge, die jährlich für die Beschaffung von Schotter, Splitt, Pflastersteinen, Bausteinen und Betonzuschlagstoffen für die verschiedensten Bauzwecke ausgegeben werden, lenken unser Augenmerk auf die Gesteinsprüfung. Diese hat die Aufgabe, die Steinbrüche, ihr Gestein und die aus den Steinbruchanlagen hervorgehenden Lieferungen auf ihre Beschaffenheit und Eignung zu untersuchen und die verschiedensten Beschaffungsstellen beim Bezug von Gesteinsmaterial zu beraten und ihnen sichere Unterlagen zur Beurteilung und Bewertung der Gesteinsmaterialien zu geben. Die Gesteinsprüfung ist somit von großer wirtschaftlicher und technischer Bedeutung. Dies wird besonders deutlich, wenn man berücksichtigt, daß allein die Deutsche Reichsbahn im Jahre 1933 Schotter und Splitt im Werte von annähernd 40 Millionen RM bezogen hat. Wird nur 1% schlechtes Gesteinsmaterial geliefert, so bedeutet dies für die Deutsche Reichsbahn schon einen Schaden von 400 000 RM! Blickt man einmal zurück auf die Bauten des Altertums, des frühen und späten Mittelalters und selbst auf die Bauten der frühen Neuzeit, so kann man die alten Baumeister nur bewundern und zwar sowohl wegen ihrer Baustile als auch wegen der Auswahl der von ihnen verwendeten Bausteine. Es sei in diesem Zusammenhang nur auf unsere alten Burgen und Schlösser, unsere Dome, die alten Klöster, die festen Häuser des Mittelalters und neben den uns überlieferten alten Steinbrücken auch auf die Grabdenkmäler der alten Friedhöfe hingewiesen. Bewunderungswürdig sind diese Baulichkeiten für uns vor allem deshalb, weil wir aus ihnen entnehmen können, mit welch sicherem Blick unsere Vorfahren die Naturgesteine ausgewählt und welche Stoffkunde die alten Baumeister, Steinmetzen und Maurer besessen haben. Mit dem Niedergang des Steinmetzhandwerks und mit der Entfremdung des deutschen Menschen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts von Blut und Boden, wozu auch die immer mehr schwindende Stoffkunde auf dem Gebiet der Naturgesteine gehört, setzten nicht nur die geschmacklosen Nachahmungen altehrwürdiger Bauwerke und Baustile ein, sondern es wurden zu den neuen Bauten auch nur zu oft Naturgesteine als Baustein verwendet, die sich schon nach kurzer Zeit als mangelhaft oder sogar als vollkommen untauglich herausstellten. Derartige Beobachtungen sind fast in jedem neuen Teil unserer Großstädte zu machen. Nach HIRSCHWALD (1911) haben allein von 634 staatlichen Bauwerken, die in den Jahren 1864-1894 in Preußen aufgeführt worden sind, über 1/3, nämlich 289 Bauwerke, aus einem Gesteinsmaterial bestanden, das bereits nach 5 bis 25 Jahren bedeutende und umfangreiche Verwitterungsschäden aufwies. ...