Original paper

Über die Abhängigkeit der technologischen Gesteinseigenschaiten von der Gefügeregelung

Holler, K.

Kurzfassung

Unter Gefügeregelung versteht man in der Gesteinskunde die Tatsache, daß die Gemengteile, die ein Gestein aufbauen, nicht regellos angeordnet sind, sondern daß gewisse Raumrichtungen im Gestein eine Parallelanordnung, eine ,Regelung" der Gemengteile aufweisen. Derartige Regelungen im Gefüge finden wir bei den verschiedensten Gesteinen, sie können verschiedenste Ursachen haben. Bei Ergußgesteinen findet man häufig ein Fließgefüge, das oft erst unter dem Mikroskop deutlich erkennbar zeigt, daß alle Gemengteile des Gesteins in einer Richtung eingeregelt sind. Das Gestein war während des Erstarrens geflossen. Oder man findet bei Tiefengesteinen statt des richtungslosen ein gerichtet körniges (sog. Parallel) Gefüge. Der Druck tektonischer Vorgänge hat hier eine Gleichrichtung der Teilchen (senkrecht zur Druckrichtung) bewirkt. Verformungen dieser Art führen dann hinüber in den Bereich der schiefrigen Gesteine. Nichts mit dieser Schieferung zu tun hat die Schichtung der Sedimentgesteine, die ihre Ursache in der schichtweisen Absetzung bestimmter Minerallagen aus dem Wasser (oder Luft bzw. Eis) hat und so auch zu einer gewissen Parallelanordnung der Körner führen kann, wie man das auch an vielen Sandsteinen u. a. Sedimenten beobachtet. Durch tektonische Vorgänge können auch derartige Schichtgesteine später geschiefert werden, so daß Schichtung und Schieferung einander überschneiden (oft an Tonschiefern!). Über einen möglichen Zusammenhang zwischen den technologischen Gesteinseigenschaften und oben erläuterter Gefügeregelung hat man sich schon ziemlich lange bestimmte Vorstellungen gemacht. Denn daß die Festigkeitseigenschaften eines Körpers mit geregeltem Gefüge parallel oder senkrecht zu der erkennbaren Gleichrichtung verschieden sind, zeigt schließlich jedes Stückchen Holz bei der Bearbeitung mit dem Taschenmesser. So fand man denn auch relativ früh deutliche Unterschiede in der Druckfestigkeit von Schiefern, Gneisen und von geschichteten Sandsteinen. Wer als erster darauf hingewiesen hat, ist mir nicht bekannt, doch findet man schon bei HIRSCHWALD, RINNE u. a. Hinweise und Angaben. Als Beispiel einer derartigen Untersuchung führe ich hier das 1889 in München ausgestellte Zeugnis über die Druckfestigkeit eines Sandsteins aus dem badischen Neckartal an. ...