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Die Grenze Moldanubicum-Saxothuringicum bei Erbendorf in der Oberpfalz

Wurm, A.

Kurzfassung

Die Tagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1935 in Würzburg gab Gelegenheit, auf der Excursion durch den Westrand der Böhmischen Masse auch die Gegend von Erbendorf zu besuchen. Es ist das ein Gebiet, das in mehr als einer Hinsicht großes Interesse beansprucht; denn hier zieht die Grenze Moldanubicum-Saxothuringicum durch, und verschiedene grundsätzliche Fragen harren hier noch ihrer Lösung. Auf Grund von Übersichtsaufnahmen, die ich in den letzten Jahren machen konnte, wird hier ein Bild des geologischen Aufbaues dieser Zone gegeben. Eine genaue geologische Kartierung steht noch aus. Die beigegebene Kartenskizze macht keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit der Grenzziehung, das sei hier ausdrücklich betont. Die erste geologische Beschreibung dieses Gebietes verdanken wir GÜMBEL, in neuerer Zeit hat sich DE TERRA mit der Geologie der Umgebung von Erbendorf beschäftigt. (,Die Umgebung von Erbendorf. Beiträge zur Geologie der nördlichen Oberpfalz." - N. Jahrb. Min., Beil. Bd. 51, 1925, S. 353-412.) Die moldanubische Gneisserie: Wir wollen zunächst die geologischen Einheiten der Erbendorfer Gegend kurz betrachten. Das tiefste Stockwerk ist der Komplex der moldanubischen Gneise. Er besteht bei Erbendorf, z. B. am Silberrangen, aus Mischgneisen, granatführenden Glimmerschiefern und körnigen, z. T. granatreichen Amphiboliten. Es sind Paraschiefer, die örtlich injiziert sind und zweifellos eine Metamorphose in der Katazone erfahren haben. Die Magmabewegung ist prävariskisch, die Tektonik präkristallin. Von der variskischen Faltung scheint dieser Tiefbau weniger oder nur in Form von Blockbewegungen erfaßt worden zu sein. In der Gegend von Erbendorf hat die Gneismasse erzgebirgische oder ostwestliche Streichrichtung. Nach Süden aber, in dem Gneiszug, der von Erbendorf gegen Neustadt a. d. Waldnaab zieht, kommt es zu einer Umbeugung, und die hercynische Streichrichtung wird allein herrschend. Die Serie der grünen Gesteine Wohl das auffallendste geologische Element der Erbendorfer Gegend sind grüne Gesteine, schieferige Amphibolite, massige Zoisitamphibolite, prasinitische Grünschiefer, Chloritschiefer, Talkschiefer und Topfsteine und Serpentine. Auch Glimmerschiefer finden sich vereinzelt. (Bingartener Höhe.) ...