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Zur Morphologie und Flußgeschichte des Mains im Tertiär und Diluvium - Ein einzigartiges Profil bei Karlstadt am Main

Trusheim, F.

Kurzfassung

Im großen Kalkbruch der Zementfabrik Karlstadta. M. hat der fortschreitende Abbau im Laufe der letzten Jahre Profile erschlossen, die in Verbindung mit reichen Funden jungdiluvialer Wirbeltiere neue Ergebnisse über die geologisch-morphologische Entwicklung Mainfrankens im Tertiär und Diluvium ermöglicht haben. An den Bruchwänden ist ein vollständiges Profil von der Konglomeratbank ß des Wellenkalks (mu) bis zu den Dolomiten des Mittleren Muschelkalks (mm) erschlossen. Die Schichten liegen im allgemeinen ± horizontal, nur in der Nähe der großen, meist etwa hercynisch streichenden Störungen sind sie gewöhnlich stark geschleppt. Der Mittlere Muschelkalk ist in seinen oberen Lagen meist recht tiefgründig zu einem grünlich-gelben Residualton verwittert. Daß es sich hier um einen fossilen Verwitterungsvorgang handelt, geht aus der unversehrten hangenden Diluvialdecke hervor (Abb. 1). Im mm finden sich Einlagerungen eines äußerst feingeschichteten, fetten, rötlichen Tones, der mehrfach Hohlräume des Gesteins, besonders erweiterte Spalten und Klüfte, ausfüllt. Diese sehr feinkörnigen Tone treten auch im völlig verlehmten mm auf, müssen also älter sein als die Verwitterung des mm (Abb. 1). Das Diluvium besteht aus einer bis 19 m mächtigen Serie von verschiedenen Lössen und Lößlehmen. Zwischen Löß und Muschelkalk schaltet sich meist eine Gehängeschutt masse ein, die fast ausschließlich aus Gesteinen des mm (darunter sehr viel Hornsteine) besteht und bis zu 6 m mächtig wird. Das Einzugsgebiet dieses Gehängeschuttes ist die weiter rückwärts liegende Höhe, die vorwiegend von Gesteinen des mm aufgebaut wird. In größeren Teilen des zurzeit bereits abgebauten Bruchgebietes lag der Löß nicht auf mm oder dessen Gehängeschutt, sondern auf einer ziemlich ebenen Fläche, die von der Schaumkalkzone des Wellenkalks gebildet wurde (Abb. 1). Hier, etwa 70 m über dem Mainspiegel, fanden sich an der Basis des Lößes über dem Wellenkalk Reste einer ursprünglich zusammenhängenden Schotterdecke, deren meist wohlgerundete Gerölle vorwiegend aus Hornsteinen des mm, kleinen Ouarzkieseln und Bohnerz-ähnlichen Brauneisenkügelchen bestand. ...