Original paper

Marahunit - Eine Bogheadkohle im Braunkohlenstadium

Stutzer, O.

Kurzfassung

S. FROES ABREU, Professor in Rio de Janeiro, sandte uns von drei verschiedenen Fundplätzen Brasiliens Proben eines hellbraunen erdigen Gesteins, das er als Boghead bezeichnete. Die Proben eines dieser Fundplätze erwiesen sich bei mikroskopischer Betrachtung tatsächlich als echte Bogheadkohle. Das mürbe braune Gestein bestand aus dicht nebeneinander liegenden kleinen Ölalgen. Obwohl in einem französischen Aufsatze schon C. EG. BERTRAND (1905) nebenbei gesagt hatte, daß ein ihm vorliegendes Gestein vom Flusse Marahú als Hauptbestandteil Algen enthalte, und obwohl DERBY 1907 auf Grund chemischer Eigenschaften bereits äußerte, es sei vielleicht eine echte Bogheadkohle, die aber von der normalen Bogheadkohle sich unterscheide, ist die Sonderstellung dieses Gesteins als Bogheadkohle im Braunkohlenstadium scheinbar nie hervorgehoben worden. In der Literatur ist das Gestein meist als ,Ölschiefer" oder ,Turfa" bezeichnet. ORVILLE DERBY gab diesem Gestein, dessen Bitumengehalt man vor 44 Jahren in einer Großanlage schon auszubeuten versuchte, den Namen ,Marahunit". Von den brasilianischen Geologen wurden der Name übernommen, und er sei beibehalten. Der Name bezieht sich auf das kleine Dorf Marahú im Staate Bahia, dem Fundplatz dieser mürben Bogheadkohle. Der Ort liegt an der Küste, etwa 148 km (80 Meilen) südlich der Hauptstadt S. Salvador (Bahia). Da an derselben Stelle auch richtige Ölschiefer mit einem viel geringeren Gehalt an flüchtiger Substanz vorkommen, so war die Namengebung angebracht, da man als ,Ölschiefer" oder ,Turfa" von Marahú zwei ganz verschiedene Gesteine bezeichnete, einen richtigen Ölschiefer und die hier besprochene Bogheadkohle im Braunkohlenstadium, den Marahunit. Bogheadkohle entsteht aus einer Anhäufung von Ölalgen. Wir kennen Stellen, wo sich vor unseren Augen Ölalgen auch heute anhäufen. Dort findet man am Ufer der Seen Ablagerungen dieser Ölalgen, die als Balkaschit, Coorongit und N'hangellit beschrieben wurden. Diese Ablagerungen sind biegsam und elastisch wie Kautschuk. Das Aussehen des ,Marahunit" aber ist ganz anders. Er gleicht äußerlich einer erdigen hellbraunen Braunkohle, vor allem einer pyropissitischen Braunkohle. ...