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Gefügeuntersuchungen an tektonisch beanspruchten Kohlen

Petrascheck, Walther Emil

Kurzfassung

Für die betrachteten tektonisch deformierten Kohlen ergibt sich somit folgendes: Feinkohlenbildung war in jenen Fällen zu beobachten, wo die Flöze von Bewegungen nach der Inkohlung betroffen worden waren. Die Zerreibung der Kohle ist besonders ausgiebig dort, wo flache Deckenschübe beteiligt waren (Lunz, Rtanj, Valdidna di Aosta). Die starke Kohlenmylonitisierung in Niederschlesien, die trotz der nur germanotypen Tektonik auftritt, wird auf die dort besonders zahlreichen orogenen Phasen zurückzuführen sein. Auch die verhältnismäßig geringmächtige Überlagerung dürfte die Auflockerung der Kohle bei den Bewegungen begünstigt haben. Auch stärkste differentielle Bewegungen innerhalb der Flözmasse führen, wenn sie gleichzeitig mit der Inkohlung verbunden sind, zu keiner Zerreibung (Leoben). Die Kohle vom Piesberg bei Osnabrück dürfte die Festigkeit, welche sie trotz des Betroffenseins von älteren und jüngeren Orogenesen besitzt, der Tatsache verdanken, daß bei der jüngeren Gebirgsbildung auch ihre Inkohlung neu belebt worden ist. Natürliche Preßkohlen sind an stärkeren Gebirgsdruck geknüpft. Ihre Bildung setzt bei einer Gesteinsüberlagerung von ungefähr 3000 m ein, was einer Temperatur von 100° C und einem Druck von 600 kg/cm2 entspricht (Rtanj, Lunz); doch sind die dabei gebildeten Preßlinge noch recht weich. Dagegen sind die aus feinem Zerreibungspulver zusammengepreßten Anthrazitmylonite von Valdigna di Aosta im westalpinen Penninikum sehr hart, was auf die viel mächtigere Überlagerung zurückzuführen ist. Die für die natürliche Preßkohlenbildung aus der Überlagerung errechneten Druck- und Temperaturbedingungen sind mit den für die bindemittellose Steinkohlenbrikettierung bekannten Werten gut vergleichbar. Die unter stärkerer Belastung deformierten Kohlen der Ostrauer Schichten der Concordiagrube und des Johann-Maria-Schachtes zeigen wenig Feinklüftung, dafür häufige Fältelungs- und Verknetungserscheinungen. Die hier für einzelne Kohlen abgeleiteten Gesichtspunkte können, wenn sie an anderen Beispielen Bestätigung, Ergänzung und vielleicht auch zahlenmäßig schärfere Fassung erhalten, voraussichtlich dienen, die bekannte Rolle der Kohle als Indikator tektonischer Beanspruchung nach der gefügekundlichen Seite hin zu erweitern.