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Geologische Studien im Passauer Graphitgneisgebiet

Dorn, Paul

Kurzfassung

Der durch seine Graphitlagerstätten bekannt gewordene Untere Passauer Wald fand seine erste eingehende geologische Durchforschung durch GÜMBEL in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Diese geologische Bearbeitung wurde ergänzt durch die eingehenden petrographischen Untersuchungen WEINSCHENK'S ZU Ende des Jahrhunderts. In verschiedenen bis zum Jahre 1917 gehenden Arbeiten und Gutachten hat sich WEINSCHENK vor allem mit den dortigen Graphitvorkommen und ihrem Nebengestein befaßt. Seine Ergebnisse und Ansichten über das Auftreten und die Entstehungsverhältnisse der Passauer Graphitlagerstätten fußten aber durchweg nur auf mikroskopischer Bearbeitung von Dünnschliffbildern. Mit geologischer Untersuchungsmethodik hat sich WEINSCHENK anscheinend überhaupt nicht abgegeben und Feldbeobachtungen stark vernachlässigt. Deshalb blieb er bis zuletzt auf seiner Theorie von der anorganischen Entstehung des bayerischen Graphites bestehen und brachte dessen Genese in Zusammenhang mit der Bildung der Granite. O. STUTZER und E. KAISER haben wohl als erste eingehendere Bedenken gegen die WEINSCHENK'sche Theorie veröffentlicht. Auch CLOOS und seine Mitarbeiter erkannten ihre Unhaltbarkeit, besonders soweit der Graphit mit dem Granit genetisch in Zusammenhang stehen soll. Trotzdem diese Untersuchungen sich vorwiegend auf die Granitmassen erstreckten, erbrachten sie doch für den gesamten Bayerischen Wald ein, wenn auch häufig nur skizzenhaftes, aber wohl richtiges Bild vom Bau und der Geschichte dieses Teiles der Böhmischen Masse. Das von mir näher untersuchte rund 300 qkm große Passauer Graphit führende Gneisgebiet wird im Süden von der die österreichische Grenze bildenden Donau begrenzt, im Osten, Norden und Westen von einem nahezu geschlossenen Kranz mächtiger Granitberge. Am Aufbau unseres Gebietes haben Cordieritgneise den Hauptanteil, doch sind nur zum geringsten Teile eigentliche Cordieritgneise darunter zu verstehen. Von GÜMBEL, WEINSCHENK, TILL und anderen Forschern wurden unter diesem Sammelnamen vielmehr auch Augengneise, Bändergneise u.a. zusammengefaßt, die durch alle möglichen Übergänge miteinander verbunden sind. Die chemische Zusammensetzung der Gneise und ihre Mineralbestandteile (Quarz, Biotit, Sillimanit, Orthoklas, Plagioklas als häufigere Gemengteile, Cordierit, Granat, Apatit, Zirkon, Rutil, Titanit als Nebengemengteile) lassen klar erkennen, daß man es hier mit Paragneisen zu tun hat, die uns als ausgesprochene Injektionsgneise entgegentreten. ...