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Das erste Machaerid aus Deutschland: Lepidocoleus eifeliensis n. sp. aus dem rheinischen Mitteldevon

Sieverts, Hertha

Kurzfassung

Im Geologischen Landesmuseum Berlin fand ich eine noch nicht bestimmte ,Schuppenröhre" aus den Oberen Calceola-Schichten der Eifel, die ich als neue Art von Lepidocoleus erkannte. Damit sind die Machaeridia erstmalig in Deutschland nachgewiesen (weitere europäische Fundgebiete sind Böhmen und Mähren, die Ostseeländer und die Britischen Inseln). Auch das Alter der neuen Art ist bemerkenswert: sie gehört zu den letzten devonischen ,Nachzüglern". I. Organisation und Verbreitung der Machaeridia: Die Machaeridia umfassen eine eigentümliche Gruppe altpaläozoischer, mariner Fossilien, deren systematische Stellung noch nicht befriedigend geklärt ist. Man rechnete sie in neuerer Zeit als ,paläozoische Cirripedier" gewöhnlich zu den Arthropoden; Einzelfunde wurden gelegentlich auch bei den Mollusken (Polyplacophoren), Echinodermen (Cystoidea), Anneliden oder Trilobiten untergebracht. In neuester Zeit (1926) hat TH. H. WITHERS die Gruppe monographisch bearbeitet und überzeugend nachgewiesen, daß sie in keine der schon bekannten Evertebraten-Klassen eingeordnet werden kann. WITHERS ist geneigt, die Machaeridia auf Grund ihrer Skelettstruktur als neue, selbständige systematische Einheit an die Echinoderma anzuschließen. Etwas abweichend ist F. A. BATHER'S Vorschlag (1930), Machaeridia und Heterostelea zu den ,Echinoderma bilateralia" zusammenzufassen und diese den ,Echinoderma radiata" gegenüberzustellen. Zum besseren Verständnis des deutschen Fundes möchte ich den Bau der Machaeridia kurz erläutern; ich folge dabei der ausgezeichneten Darstellung von TH. H. WITHERS (1926). Bekannt sind bilateral-symmetrische, säbelförmige Schuppenröhren, die sich nach beiden Enden verjüngen. Bei Lepidocoleus sind zwei, bei Turrilepas und Plumulites vier Längszeilen von Schuppen vorhanden. Die Schuppen der beiden Längszeilen (der beiden inneren, wenn vier vorhanden sind) greifen an der Mittellinie des ,Rückens", am ,festen Rande", etwas übereinander und sind so gewölbt, daß die Röhre von Lepidocoleus einen länglich-herzförmigen, die von Turrilepas und Plumulites einen dreiseitigen Querschnitt erhält (Taf. 35, Fig. 1c, 2d, 3d). An der Gegenseite, am ,freien Rande", treffen sich die Zeilen in einer scharfen Kante und liegen hier nur lose aneinander. An der ,Basis" sind gewisse Schuppen - wahrscheinlich zur Anheftung - etwas modifiziert. ...