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Flexuren im Gebirgsbau Schlesiens

Rode, Karl

Kurzfassung

Flexur nennt man die bruchlose doppelt knieförmige Lagerungsstörung einer anderweitig wenig gestörten Schichtenfolge. Sie besteht aus zwei Krümmungen von entgegengesetztem Sinn und ähnlichem Radius, den Knieen, und dem Verbindungsschenkel zwischen ihnen, der zur Lage der Schichtung jenseits der Kniee flach oder steil geneigt oder auch überkippt sein kann, wodurch natürlich das Ausmaß der Krümmung in den Knieen bestimmt wird. Die Verbindungslinien entsprechender Kniepunkte einer Bezugsschicht sind die Flexurachsen. Für die Begriffsbestimmung ist die absolute Raumlage der ganzen Störung nicht von Bedeutung; indessen interessieren in diesem Zusammenhang nur Flexuren mit weithin annähernd wagerechtem Achsenverlauf innerhalb weithin horizontaler oder nur sehr flach geneigter Schichtlagerung. Die terminologische Anlehnung an die Elemente der Faltung beinhaltet mehr als äußere Ähnlichkeit der Störungsform. Jede echte Flexur ist im dynamischen Sinne ein gefaltetes Krustenstück und die mechanischen Erkenntnisse und Vorstellungen über den Faltungsvorgang gelten infolgedessen auch für die Flexur, die deshalb auch genau zutreffend - besonders im englischen Schrifttum - als ,Monoklinale" bezeichnet wird, während der deutsche Ausdruck ,Kniefalte" der doppelten gegensinnigen Schichtkrümmung nicht Rechnung trägt. Andererseits bestehen enge Beziehungen zwischen Flexur und Verwerfung. Dafür liefert vor allem das Colorado-Plateau klassische Beispiele, die durch die reich ausgestatteten Monographien von POWELL und DUTTON allgemein bekannt geworden sind. Neuere Spezialarbeiten wie die von NOBLE haben wichtige Ergänzungen jenes großzügigen Bildes der über Hunderte von km zu verfolgenden einzelhaften Störungen gebracht, das uns die Pioniere der Erforschung jenes Gebietes entworfen haben. Innerhalb dieser Störungen, von denen eine stratigraphisch zwar nicht lückenlose, aber tektonisch konkordante Schichtenfolge paläozoischer und mesozoischer Gesteine von ca. 4000 m Mächtigkeit betroffen worden ist, bestehen alle Übergänge zwischen reinen Sprüngen ohne nennenswerte Schichtenschleppung und echten Flexuren ohne irgendwie beträchtliche Brucherscheinungen. Diese Störungen sind die Grenzen großer Schollen, die im Verhältnis zueinander ungleiche Vertikalbewegungen ausgeführt haben. In seinen allgemeinen Betrachtungen über den Baustil des Colorado-Plateaus hebt DUTTON dessen ausgeprägten Gegensatz zur Tektonik der damals schon weit besser erforschten Faltengebirge hervor (1880, S. 46) und betont, daß hier kein Anhalt für das Wirken tangentialer Druckkräfte zu finden sei. ...