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Einige Ergebnisse von glazialgeologischen Untersuchungen am Südrand des Vatna-Yökull auf Island (1931 u. 1934)

Todtmann, E. M.

Kurzfassung

Der Zweck beider Reisen 1931 und 1934 an den Süd- und Südostrand des Vatna-Jökull war: erstens zu sehen, wie dort die Eisrandlandschaften aussehen und entstehen, ferner ob aus ihnen neue Anschauung für die Entstehung eiszeitlicher Formen in Norddeutschland zu gewinnen ist. Bei der Bewertung der Formen am Rande südisländischer Gletscher muß man allerdings berücksichtigen, in welchem Maße vulkanische Kräfte bei ihrer Entstehung mitgewirkt haben. Nach meinen Beobachtungen am Vatna-Jökull besteht jedoch kein grundsätzlicher, höchstens ein gradueller Unterschied. Ich schließe mich daher der bereits von KEILHACK geäußerten Meinung an, daß in diesem Gebiet der Anteil der vulkanisch bedingten Kräfte bei der Gestaltung der Formen nur gering ist. Gletscherstand: Von 11 Gletscherzungen, die ich besuchte, waren 1934, verglichen mit ihrem Stande auf der Karte des dänischen Generalstabs von 1904 und dem Stande von 1931, alle mehr oder weniger im Zurückgehen begriffen. Nur einer war verglichen mit dem Stande von 1904 teilweise ein wenig vorgerückt. Sie gehen also ebenso, wie die Gletscher in den Alpen zurück. Obgleich diese Gletscher durchweg an Zufuhr Mangel litten, zeigte einer unter ihnen, der Kviár-Gletscher, Anzeichen von lebhaftem Zustrom. Hier haben sich nämlich seine zwei steilen Zuflüsse, die vom Öraefa-Jökull herabkommen, in lebhafter Bewegung über die untere flacher lagernde und daher langsam fließende Gletscherzunge hinübergeschobon. (Abb. 1.) 1931 lag die Endmoräne des südlichen Zuflusses als schwarzer Wall auf dem reinweißen Eis des liegenden Gletschers. (Taf. 18, Bild 1.) Von 1931-1934 war diese Endmoräne noch um etwa 300 m vorwärts gerückt. Mit Hilfe der dänischen Generalstabskarte läßt sich die Geschwindigkeit des hangenden südlichen Gletschers auf 170 m jährlich berechnen. Hingegen schien der schmälere nördliche Teil schon 1931 zum Stillstand gekommen zu sein. Deutlich waren an der ganzen Gletscherzunge, besonders aber am südlichen überschobenen Teil, die Scherflächen als wesentliche Träger der Bewegung im Sinne von PHILIPP ZU erkennen. ...