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Geschiebeuntersuchungen und Glazialstratigraphie

Milthers, V.

Kurzfassung

In dieser Zeitschrift (Bd. 87, Jahrg. 1935, H. 6) hat PAUL WOLDSTEDT eine Abhandlung ,Über den stratigraphischen Wert von Geschiebeuntersuchungen in Norddeutschland" veröffentlicht, deren einer Teil einen kleinen Abschnitt aus meiner Abhandlung ,Die Verteilung skandinavischer Leitgeschiebe im Quartär von Westdeutschland" (Abh. Preuß. geol. Landesanst. N. F. 156, 1934) besonders aufs Korn nimmt. WOLDSTEDT'S Abhandlung bietet mir willkommenen Anlaß, einige Bemerkungen über das oben angeführte Thema vorzubringen, um so mehr als mir scheint, daß er nicht so sehr das rechte Verhältnis der Geschiebeuntersuchungen zur Glazialstratigraphie zu schätzen weiß als deren Mangel an stratigraphischem Wert, wenn er auch dessen theoretische Möglichkeit anerkennt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß es möglich ist, in allen glazialen Schichten ganz Westdeutschlands skandinavische Geschiebe aus dem gesamten Bereich des südlichen Norwegen (im Westen) bis zum westlichsten Finnland (im Osten) zu finden. Es liegt daher in der Natur der Sache, daß Geschiebeuntersuchungen, die quartärgeologische Bedeutung haben sollen, quantitativer Art sein müssen. Darin sind sich gewiß alle einig, die sich mit Geschiebeuntersuchungen zu quartärgeologischem Zweck abgeben, selbst wenn auch Uneinigkeit darüber herrschen kann, welche Grundsätze für die Art und Menge der Gesteinsarten (Geschiebetypen), die miteinbezogen werden sollen, und für die Gruppierung der Geschiebe, deren zahlenmäßigen Beziehungen zueinander die Untersuchung gilt, zugrunde gelegt werden sollen. Für die statistische Auswertung des Geschiebematerials ist es von größter Wichtigkeit, daß dieses so einheitlich wie möglich ist in bezug auf Widerstandsfähigkeit gegenüber Auflösung, Verwitterung, Zerfall und Abnutzung; gleichzeitig auch daß die Gesteinsarten soweit möglich Bedingungen dafür besitzen in einheitlichen Größenverhältnissen und vorwiegend als kleine Steine auftreten zu können. Aus diesen Gründen können in erster Linie Kalksteine und mehrere andere sedimentäre Gesteinsarten außer Betracht gelassen werden. Grobkörnige Gesteinsarten werden, wie es von altersher bekannt ist, weit eher die Neigung zu einem Auftreten in großen Blöcken besitzen als feinkörnige Gesteinsarten, wie z. B. Porphyre. ...