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Herkunft, Aussprache und Schreibung des Wortes ,Löß"

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Seitdem K. C. v. LEONHARD (1823, S. 722), der verdiente Herausgeber von LEONHARD'S Taschenbüchern, den Vorläufern des Neuen Jahrbuchs f. Min., Geol. u. Pal., die Bezeichnung Löß in die mineralogisch-geologische Literatur eingeführt hat, sind Zweifel über die Aussprache und Schreibung vorhanden. Die Mehrzahl der Mineralogen und Geologen spricht den Stammvokal kurz (Löß), einzelne sprechen ihn lang (Löß). Entsprechend ist die Schreibweise im Genitiv (Lösses - analog Flusses - oder Lößes - analog Floßes -) und im Plural (Lösse oder Löße) verschieden. LEONHARD hat seine Angaben über den Löß ,entlehnt aus des Herrn D. BRONN und des Verfassers Manuskript über das Grobkalk-Gebilde im Rheintal" (LEONHARD, S. 722). Ferner gibt er als Quelle STEININGER'S ,Neue Beiträge zur Geschichte der rheinischen Vulkane" (1821) an. STEININGER verwendet jedoch den Namen Löß nicht. Er beschreibt das von LEONHARD Löß (Loeß) genannte Sediment ausführlich unter den Bezeichnungen ,Kalktuff" und ,Britz". Trotz der von ihm zuerst aufgeführten Schneckenfaunen und Wirbeltiereinschlüsse hält er das Sediment teils für eine vulkanische Bildung (S. 44, 45), teils für einen Flußabsatz (S. 52). STEININGER hält also Löß und Hochflutlehm nicht auseinander. LEONHARD hat angenommen, daß der Löß ,dem Rheintal zwischen Basel und Andernach eigentümlich sei". Im einzelnen gibt er Vorkommen bei Freiburg, Bruchsal, Weinheim, Heidelberg, Oppenheim, Bingen, Neuwied und Andernach an. Als synonym zu ,Loeß" nennt er das Wort ,Loesch" = Schneckenhäuselboden, Mergel und Britz (im Sinne STEININGER'S). ES kann bei Beachtung der w. u. gemachten sprachlichen Hinweise kein Zweifel sein, das das Wort Löß nichts anderes ist als eine hochdeutsche, offenbar von LEONHARD selbst vorgenommene Umformung des mundartlichen ,Lösch". Einen Hinweis auf die landschaftliche Herkunft bietet das Wort Schneckenhäuselboden, das nur schweizerischolsässisch-schwäbisch sein kann. ...