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Die Lackfilmmethode, ihre Bedeutung und Anwendung in der Palaeontologie, Sedimentpetrographie und Bodenkunde

Voigt, Ehrhard

Kurzfassung

Die bei den Ausgrabungen in der Braunkohle des Geiseltales für die Bergung von Wirbeltieren entwickelte Lackfilmmethode ist gegenüber dem Stande von 1933 erheblich verbessert und nach den verschiedensten Richtungen hin erweitert worden. Anstelle des ursprünglich verwandten und leicht spröde werdenden Zellulose-Lackes wird ein Speziallack, der unter der Bezeichnung ,Geiseltal-Lack" bei der Lackfabrik Springer u. Möller, Leipzig-Leutzsch, bezogen werden kann, verwendet. Die Übertragung von Blättern aus der Braunkohle und tertiären Tonen, von Kohleschichtflächen mit Pflanzenresten, von Kohleprofilen und den in der Braunkohle auftretenden Sand- und Kalkmitteln auf Lackfilm ermöglicht die Bergung und museale Aufstellung einer Fülle von interessanten Erscheinungen aus dem Gebiete der Braunkohlen-Petrographie und Stratigraphie. Die an der Braunkohle und ihrem Begleitgestein gemachten Erfahrungen konnten mit großem Erfolg auf alle nicht verfestigten Gesteine angewandt werden, so daß Profile durch Kiese, Sande, Tone, Mergel, Löß usw. auf Lack übertragen werden können, desgleichen in diesen Schichten auftretende Verwerfungen, Diskordanzen, Fließstrukturen, Verwitterungserscheinungen usw. Die mit dieser Methode hergestellten Lackfilmprofile zeigen alle Feinheiten, Strukturen und Farbunterschiede des übertragenen Gesteines und gleichen der Aufschlußwand vollkommen. Ferner können mit Hilfe der Lackülmmethode auf die einfachste Art und Weise Lackfilmdünnschliffe hergestellt werden. Das glattgeschabte oder angeschliffene Gestein wird mit Zaponlack vorgetränkt, mit ,Geiseltallack" bestrichen und der eingetrocknete Lackfilm mit dem daran haftenden Gestein abgezogen, dünngeschliffen und in Kanadabalsam eingeschlossen. Alle erdigen Gesteine wie Braunkohle, Kieselgur, Kreide, Ton, Mergel, Sand usw. ergeben durchaus brauchbare Resultate, die das Gefüge des Gesteins in unverändertem Zusammenhang und seine Mineralkomponenten und Mikrofossilien hervorragend gut erkennen lassen und in vielen Fällen den umständlich herzustellenden Kanadabalsamdünnschliff ersetzen können. Ausgezeichnete Ergebnisse brachte die Anwendung der Lackfilmmethode in der Bodenkunde. Die Übertragung von Bodenprofilen auf Lackfilm ist sehr einfach und ergibt vollkommen naturgetreue, die so charakteristische, Krümelung des Bodens auf das deutlichste zeigende Profile. Die bei dem bisherigen Monolith-Verfahren notwendige, die natürliche Krümelstruktur gefährdende Anpressung der mit Monolithleim bestrichenen Brettunterlage an das Bodenprofil kommt hier nicht in Frage, da der Lack mit dem Pinsel aufgestrichen wird. Auch für die Vorgeschichte ist die Lackfilmmethode von großer Bedeutung, so besonders für die Herstellung von Profilen durch Kulturschichten, Wohngruben, Pfostenlöcher usw. sowie für die Bergung hinfälliger Gewebe.