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Zur Morphologie des Ätna - III. Beitrag

Maier, Wilhelm

Kurzfassung

1. Auf der Westseite des Ätna laufen vom Rand des ehemaligen elliptischen Kraters zahllose Rillen über den steilen Zentralkegel nach abwärts und sind durch Abfluß aus einem Lavasee entstanden. Die Rillen zeigen teilweise asymmetrische Böschungswälle. Die glaciale Karbildung am Ätna tritt im NO und O infolge Exposition verstärkt auf, und die schwächere Karmuldenbildung im N und NW, als der Mangel an Glacialformen im Westen, wurde weiterhin besonders durch starke Wärmeabfuhr des elliptischen Kraters (Lavasee) bedingt; entsprechend dem, daß der jetzige Krater im Winter und Frühjahr ostwärts infolge Fumarilenaustritts meist schneefrei bleibt. 2. Am Aufbau des Ätna beteiligen sich, wie S. VON WALTERSHAUSEN feststellte, vier mehr oder weniger zentrisch gelagerte Vulkankegel. Der älteste derselben, der Trifogliettokrater, war aber keineswegs kleiner als die nachfolgenden, vielmehr zeigt sich eine rhythmische Abnahme des Vulkanismus, eine sprungweise Verringerung des Kraterdurchmessers und der Förderröhren; ein jüngerer Krater baute sich immer in und über dem aufgefüllten älteren Krater auf. 3. Die an der Ostflanke des Ätna liegenden Terrassen über Macchia und Aci Trezza gehören zusammen und sind gehobene Küstenbildungen, die stellenweise durch jüngere Lavaströme überflossen wurden. Gleicherweise ist die Terrasse unter Aci Reale eine Steilküstenbildung. Die Hebung der Terrassen ist chronologisch und ursächlich mit der Bildung neuerer, höherer, aber kleinerer Zentralkegel verknüpft. 4. Das Auftreten von tertiären Gesteinen unter der Lava des östlichen Ätna in Hohen bis zu 700 m, und Funde von Sandstein- und Kalksteinblöcken, sprechen dafür, daß unter dem Ätna die im Osten und Norden verlaufenden Gebirgszüge durchsetzen und mit vulkanischem Material eingedeckt wurden, wie dies gegenwärtig noch im Westen und Norden geschieht. 5. Im Tale des Simeto schneiden durch den Westhang des Ätna Hoch-Mittel- und Niederterrassen durch. Die aus älterem Andesit gebildete Hochterrasse wurde stellenweise durch neuere Lavaströme überflutet. Eine Parallelisierung der fluviatilen und marinen Terrassen, wie auch der Zentralkegel erscheint möglich, derart, daß zu den alten Hochterrassen der älteste, niedrigste, aber größte Zentralkegel gehört. 6. Ein Vergleich der geologischen Beziehungen des Basaltes zu den ihn einhüllenden tertiären Sedimente, für die Orte Pachino, Lentini, Valsavoya und Aci Trezza, läßt deren Ähnlichkeit erkennen. Während des gesamten Tertiärs bildeten sich nebeneinander submarine Ergußgesteine neben Palagonittuffen, Sedimenten und Bastard-Sedimenten, welche aus vulkanischen und sedimentären Produkten gemischt wurden. Von eigentlichen Injektionen kann nirgends die Rede sein auch nicht bei Aci Trezza. 7. Im Verlauf vom 17. zum 20. Jahrhundert zeigen die Lavaströme an gleichen Abhängen des Ätna immer schmälere Breitenentwicklung und größere Strömungsgeschwindigkeiten. Dies bedeutet eine Zunahme des Flüssigkeitsgrades der Lava, die wahrscheinlich durch größeren Gasgehalt bedingt ist, was in Übereinstimmung mit der gesteigerten Porosität der Lavagesteine innerhalb dieser Jahrhunderte zu stehen scheint. Die Ursache liegt vielleicht in einer veränderten, gehobenen Stellung der Einlaufdüse des Förderschlotes, gegenüber wechselnd beschaffenen Magmazonen.