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Die Kohlenlager Österreichs ihre geologische und wirtschaftliche Bedeutung

Winkler-Hermaden, A.

Kurzfassung

Inhalt: Die nachfolgenden Darlegungen bezwecken, einerseits klarzulegen, in welcher Weise sich nach den neuen Forschungsergebnissen die österreichischen kohlenführenden Bereiche in die stratigraphische und tektonische Geschichte der Ostalpen und ihres Vorlandes nach Alter und Entstehungsbedingungen einordnen lassen; anderseits ihre allgemeinen lagerstättenkundlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse klar zu legen. Die neuere Erkenntnis der Geologie der alpinen und randalpinen Kohlenlager geht zum großen Teil auf die vieljährigen Bemühungen von W. PETRASCHECK (Leoben) zurück, welcher in der ,Kohlengeologie der Österreichischen Teilstaaten" in den Jahren 1922-1926 eine übersichtliche Darstellung der geologischen und montangeologischen Verhältnisse auch aller kohlen führenden Bereiche des heutigen Österreichs gegeben hat. Die eigenen, schon vor dem Kriege begonnenen und nach diesem durch über 1 1/2 Jahrzehnte fortgesetzten Tertiärstudien am Ostrande der Alpen und in den inneralpinen Miozängebieten, welche in vieler Hinsicht auf den grundlegenden Untersuchungen PETRASCHECK'S aufbauten, haben einige neue Gesichtspunkte für die Beurteilung des Kohlentertiärs ergeben und zu gewissen Änderungen in der stratigraphischen Einordnung der braunkohlenführenden Horizonte innerhalb der jungtertiären Schichtfolge geführt. Diese letzteren Abweichungen gehen aus der Gegenüberstellung der von PETRASCHECK (1922-1926, S. 16) mitgeteilten mit der von mir entworfenen Schichttabelle (Taf. 41) hervor. Aus den speziell von PETRASCHECK erhobenen Daten über nachgewiesene und wahrscheinlich vorhandene Steinkohlen- und Braunkohlenvorräte Österreichs ergibt sich die Bedeutungslosigkeit der Steinkohlenlager (geschätzte Vorräte nur 8 Mill. t!), während jene der Braunkohlen mit 530 Mill. t - gemessen an den Vorräten Deutschlands - natürlich ebenfalls gering erscheinen, aber immer noch etwa das 70 fache der Steinkohlenvorräte Österreichs betragen. Dies und die Tatsache, daß derzeit Steinkohlen nur in drei Betrieben, darunter in einem einzigen größeren, gewonnen werden, rechtfertigt es wohl, wenn im folgenden die österreichischen Steinkohlenlager nur ganz kurz behandelt, im übrigen aber die Braunkohlenvorkommen einer eingehenden Besprechung unterzogen werden. I. Die Geologie der österreichischen Kohlenlager A. Die Steinkohlenlager (s. Abb. 1 u. Tab. 2): Steinkohlenflöze sind innerhalb Österreichs im Karbon der Zentralalpen und Julischen Alpen, dann in der karnischen Stufe der Obertrias (Lunzer Schichten), im Lias (Grestener Schichten) und in der Oberkreide (Gosauschichten) der nördlichen Kalkalpen sichergestellt. ...