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Die Anforderungen der keramischen Industrie an die von ihr verwendeten Kaoline und Tone

Rieke, R.

Kurzfassung

Unser Vaterland besitzt zahlreiche Vorkommen von Kaolinen und Tonen; ich brauche nur an die zum Teil sehr ausgedehnten Kaolinlager bei Halle, in Sachsen, in der Oberpfalz und im Rheinland zu erinnern, sowie an die reichen und verschiedenartigen Tonvorkommen in Schlesien, Sachsen, im Rheinland und an zahlreichen andern Stellen, ganz abgesehen von den fast in allen Gegenden auftretenden Lehmen, Mergeltonen und Ziegeltonen. Wenn man nun vor die Frage gestellt würde, ob Deutschland eine Einfuhr von Kaolin und Ton nötig habe, so könnte ich mir daher vorstellen, daß vom geologischen Standpunkte aus diese Frage verneint würde. Diese Einstellung trifft für manche Verwendungsgebiete der genannten Rohstoffe auch zu; bei genauerer Betrachtung würde jedoch festgestellt werden müssen, daß unsere heimischen Rohstoffe nicht in allen Fällen den Anforderungen genügen, die die Industrie, vor allem die keramische Industrie, an sie stellt und im Hinblick auf die Güte der von ihr erzeugten Waren auch stellen muß. Wie alle natürlich vorkommenden Rohstoffe, weisen auch die Kaoline und Tone - und zwar in ganz besonders hohem Maße - sowohl in ihrer chemischen und mineralischen Zusammensetzung wie auch in ihren physikalischen Eigenschaften große Unterschiede auf, so daß kein Ton vollkommen einem andern gleicht. Es sind dies Unterschiede, die teils auf der Verschiedenartigkeit der Ursprungsgesteine beruhen, teils durch abweichende Bedingungen bei der Entstehung und Ablagerung der Tone und ihr Alter bedingt sind oder auch auf sekundär hineingelangte Beimengungen zurückgeführt werden können. Für einen Außenstehenden ist es oft schwierig, die mannigfachen Anforderungen zu kennen, die eine bestimmte Industrie an ihre Rohstoffe stellt, zumal, wenn es sich um Eigenschaften handelt, die sich nicht immer einwandfrei in eindeutigen Zahlen ausdrücken lassen, sondern sich infolge des Zusammenwirkens der verschiedensten Faktoren erst während der Fabrikation oder gar erst beim Gebrauch des fertigen Erzeugnisses in günstiger oder ungünstiger Weise auswirken. ...