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Die wichtigsten natürlichen Rohstoffe der Glas- und Emailindustrie

Dietzel, A.

Kurzfassung

In der Glas- und Emailindustrie liegt die Frage der natürlichen Rohstoffe wesentlich einfacher als in der Keramik. Zwar verwenden alle 3 Zweige der Silikatindustrie (Keramik, Glas- und Emailtechnik) vielfach dieselben Rohstoffarten, aber viele Eigenarten eines Rohstoffs, die z. B. in der Keramik ausschlaggebend sind, werden beim Einschmelzen und Verglasen zunichte gemacht. Aus dem Vortrag von Herrn R. RIEKE haben Sie gehört, welch mannigfache Anforderungen die Keramik etwa an einen Ton oder Kaolin stellt, auf welch verschiedene Eigenschaften geachtet werden muß. Ähnliches gilt für den Feldspat. Wenn es sich bei der Glasindustrie darum handelt, Feldspat oder - was seltener vorkommt - Ton zur Glas schmelze zu verwenden, so kommt es letzten Endes nur auf die chemische Zusammensetzung an. Alles andere ist von untergeordneter Bedeutung. Nicht ganz so einfach, jedoch ähnlich, liegen die Dinge in der Emailindustrie. Um welche natürlichen Rohstoffe handelt es sich in unserem Falle? In allererster Linie um Sand, Kalk; dann Feldspat und alle alkalireichen Gesteine, ferner Dolomit. Schließlich ist zu erwähnen der Kryolith, Flußspat, Braunstein. Der Zahl nach sind dies nur wenige Rohstoffe, die in ihrem natürlichen Zustande, ohne chemischen Eingriff, verwendet werden. Gleichwohl machen sie im Mittel etwa 80%-85% am fertigen Glas aus; der Rest wird von den künstlichen Rohstoffen gestellt wie Soda, Pottasche, Bariumcarbonat, Mennige, Zinkoxyd, Borax, Salpeter usw. Ehe wir die Rohstoffe im einzelnen betrachten, sei vorangestellt, welche Eigenschaften wir in der Glas- oder Emailtechnik von den Rohstoffen verlangen müssen. Das hängt in erster Linie davon ab, was wir herstellen wollen, ob ein schönes Bleikristallglas, ein Fensterglas oder eine Bierflasche und dergl. Oder ob wir ein Grundemail oder ein weißes Deckemail machen wollen. Sobald es sich um ein einigermaßen farbloses oder hellgrünes Glas handelt, ist die erste Frage, die an den Rohstofflieferanten gerichtet wird: wie groß ist der Eisenoxydgehalt? Das Eisenoxyd hat die unangenehme Eigenschaft, auch in geringen Mengen dem Glas die bekannte grüne Färbung zu verleihen, die der Glasindustrie viel Kummer bereitet. ...