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Die Talweitung von Köfels im Ötztal (Tirol) als Meteorkrater

Stutzer, Otto

Kurzfassung

Gleichsam als Anhang zu meinem Vortrag über ,Meteor Crater" (Arizona) und Nördlinger Ries möchte ich hier auf eine der ,bekanntesten geologischen Merkwürdigkeiten Tirols" hinweisen, auf die Talweitung bei Köfels im Ötztal. Bei Köfels (1403 m hoch) erweitert sich plötzlich das Tal. Wir treten in eine Weitung, die mehr als 3 km lang und fast 4 km breit ist. Der Boden dieser Weitung liegt nicht in der Höhe des jetzigen und früheren Tales, sondern einige hundert Meter darüber. Gesteinsschutt liegt im Untergrund der Weitung. Die Schuttmassen haben den Lauf des Flusses einst abgeriegelt. Sie sind dort, wo der Fluß die Weitung verläßt, mindestens 500 m mächtig. Die Katastrophe, welche das feste Gestein zerrüttete, die vier Kilometer breite Weitung schuf und den mehrere hundert Meter mächtigen Schutt anhäufte, erfolgte wohl kurz nach der Eiszeit. Gletscherschliffe sind durch sie zerstört, aber kein neuer Gletscher ging über den Schutt hinweg. Die dortige Mauraschlucht war vor der Katastrophe schon vorhanden, sie wurde nur überschüttet. Die Entstehung dieser gewaltigen Schuttanhäufung läßt sich nicht auf normale Bergstürze allein zurückführen. Etwas Außergewöhnliches muß den Fels zerrüttet, die Weitung geformt und den Schutt angehäuft haben. Nun eine charakteristische geologische Tatsache: Der Schutt besteht aus Augengneis, der die Berge bei Köfels aufbaut. REITHOFER bezeichnet es (1932) als eigenartig, daß gerade dieser Augengneis, ,eines der festesten und widerstandsfähigsten Gesteine der Ötztaler Masse", zertrümmert wurde, während andere Gesteine, die in der Nähe anstehen, und die viel weniger widerstandsfähig sind, nicht von einer solchen Katastrophe heimgesucht wurden. Eine von unten gestoßene magmatische Kraft, die manche für die Katastrophe verantwortlich machen, hätte zum Durchbruch sich also nicht eine Zone des geringsten Widerstandes, sondern gerade eine des größten Widerstandes ausgesucht. Wenn Gesteinszertrümmerung, Weitung und Schuttanhäufung darauf zurückzuführen sind, daß eine Kraft von unten durch das kristalline Gestein durchschlug, so ist es auffallend, daß die Anlage der überschütteten Talschlucht nicht zerstört und die Klüftung im anstehenden Gestein nicht beeinflußt wurde. Genaue Untersuchungen von REITHOFER stellten fest, daß die Klüftung des anstehenden Gesteins im Katastrophengebiet nicht von der Richtung der in diesem Gebiet sonst herrschenden Klüftung abweicht. ...