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Über das hessische Pliozän und die Altersfrage der Basalte

Grupe, O.

Kurzfassung

Einleitung: Auf der Kasseler Tagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft Ende August 1936 ist auch das besonders hinsichtlich seiner Lagerung stark umstrittene mitteldeutsche Pliozän Gegenstand der Verhandlung gewesen und namentlich von Herrn KLÜPFEL und dem Verfasser sowohl in Vorträgen und den sich anschließenden Diskussionen wie auf den Ausflügen vor und nach der Versammlung näher erörtert und demonstriert worden. In dem vorliegenden Aufsatz gibt der Verfasser seinen auf der Tagung gehaltenen Vortrag in etwas erweiterter Form wieder in der Absicht, damit zur Klärung dieses Teilproblems der mitteldeutschen Tertiärbildungen beizutragen. Zu diesem Zweck sollen die Hauptvorkommen Niederhessens, sowie einzelne maßgebende Vorkommen im oberhessischen Gebiet von Neustadt-Kirchhain einerseits und Fulda-Hünfeld andererseits geschildert und vor allem in bezug auf ihre Lagerungsverhältnisse näher behandelt werden. Den Schluß der Ausführungen bildet die mit dem Pliozänproblem aufs engste in Zusammenhang stehende Altersfrage der Basalte, die ebenfalls eine entsprechende neue Beurteilung erfährt. I. Die Pliozänbildungen im Grenzgebiet von Kellerwald und Niederhessischer Senke: Die Tertiärablagerungen der Niederhessischen Senke sind wiederholt Gegenstand eingehenderer geologischer Untersuchungen gewesen. Mit ihrem südlichen, d. h. südlich der Eder bei Fritzlar gelegenen Teil hat sich in den letzten Dezennien vor allem BLANCKENHORN auf Grund seiner Spezialkartierung der Blätter Borken, Homberg, Ziegenhain, Schrecksbach, Neustadt und Kirchhain befaßt und ihre genaue Stratigraphie durchgeführt. Danach handelt es sich um limnische Bildungen während des Unteroligozäns und Miozäns, d. h. um die ältere und jüngere Braunkohlenbildung, zwischen die sich im Mittel- und Oberoligozän die marinen Schichten des Septarientons und der oberoligozänen Meeressande einschalten. Nur im untergeordneten Maße sind mit den limnischen Sanden der beiden Braunkohlenstufen als Absätzen in ausgedehnteren Becken Lagen von Flußkiesen vergesellschaftet, deren Bedeutung BLANCKENHORN und KURTZ in ihrer Arbeit ,Die Flußläufe der Tertiärzeit in der Umgebung von Marburg a. d. Lahn" ausführlicher behandeln. Solche auf die Tätigkeit alter Flüsse hinweisende Kiese treten gelegentlich sowohl im Unteroligozän wie im Oberoligozän (Vallendarer Schichten) wie besonders im Miozän auf. ...