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Beitrag zur Kenntnis der paläogeographischen Verhältnisse im Oberkarbon Nordwestdeutschlands

Keller, Gerhard

Kurzfassung

Ausgehend von den allgemeinen orographischen und topographischen Verhältnissen wurde abgeleitet, daß das Bildungsgebiet des nordwestdeutschen Oberkarbons eine relativ schmale Zone war, die in der Hauptsache südlich der heutigen Oberkarbonverbreitung lag. Im Süden davon bestand ein sedimentspendendes, von Flüssen durchfurchtes Hochgebiet, während das Nordufer flacher war und schrittweise von dem nach Norden sich vorschiebenden Sedimentationsgebiet überdeckt wurde. Dabei tauchten auch Aufragungen kristalliner Zusammensetzung unter. Bei Betrachtung der speziellen orographischen Verhältnisse in der Saumtiefe zeigte sich, daß im Sedimentationsraum selbst während der Sedimentationspausen eine weitverbreitete, in sich untergegliederte Vegetation herrschte. Offene Seenflächen mit teils stillem, teils bewegtem Wasser unterbrachen die Pflanzendecke. Seen fließendem Wasser standen mit Flüssen in Verbindung, in denen wiederum Material zu den Becken transportiert wurde, die zwischen den Vegetationspausen mit festländischem Detritus aufgefüllt wurden. Die wechselnde Vegetation und Sedimentation deuten auf eine starke Mobilität des Saumtiefenbodens hin, die zwar in den Zeiten mariner Ingressionen ebenfalls vorhanden war, jedoch wegen des größeren Ausmaßes dieser in ihrer Deutungsmöglichkeit verwischt wurde. ...