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Ein Fischskelett aus dem unteroligozänen Grünsand von Palmnicken im Samland

Voigt, Ehrhard

Kurzfassung

Fundumstände: Bei geologischen Arbeiten in der Bernsteingrube Palmnicken im Samland, die ich im Auftrage der Staatlichen Bernsteinwerke im Sommer 1930 ausführte, fand ich in dem unteroligozänen Grünsand über der bernsteinführenden Blauen Erde ein Fischskelett. Da bisher, von einigen Wirbeln und Zähnen abgesehen, Knochenfische aus dem samländischen Tertiär nicht bekannt geworden sind und vollständige Fische im norddeutschen Oligozän zu den größten Seltenheiten gehören, dürfte die Abbildung und Beschreibung des Fundes einiges Interesse finden. Die Fundstelle liegt etwa in der Mitte des SW-NO verlaufenden 2 km langen Tagebaues nahe an der jetzigen Nordwand der Grube. Der Fundhorizont ist die sog. ,Grüne Mauer", ein durch reichliche Glaukonit-Führung grün gefärbter Sandhorizont, der von der liegenden Blauen Erde durch den sog. ,Hangenden Treibsand" und die ,Graue Mauer", beides ebenfalls glaukonitische Unteroligozänsande, getrennt ist. Der Fund entstammt also den jüngsten Unteroligozänschichten, die in der Grube aufgeschlossen sind. Bergungstechnik: Die Fundschicht seihst ist ein lockerer weicher Grünsand; da der Knochen ebenfalls nur als eine weiche mürbe Masse erhalten war, wäre an eine Bergung des Fundes nicht zu denken gewesen, wenn ich nicht zufällig die Möglichkeit gehabt hätte, den Fisch mit Hilfe des Lackfilmverfahrens (VOIGT, 1936) zu konservieren. Zu diesem Zweck wurde das Skelett auf der Oberfläche freigelegt und dann im Abstand von einigen Zentimetern ein rechteckig verlaufender Graben rings um den Fund gezogen. Dieser Graben wurde mit Gips ausgegossen und das Skelett samt der umgebenden Schichtfläche mit verdünntem Zaponlack mehrmals gehärtet. Nach dem Verdunsten des Lösungsmittels wurden dann die gesamte, vom Gipsrahmen umgebene Fläche sowie der Rahmen selbst mit dem dicken Geiseltal-Sprimoloidlack (vgl. VOIGT 1936) zweimal überzogen und nach dem Eintrocknen der Lackschicht das Ganze mit einem der Größe des Rahmens entsprechenden Stück Papier überdeckt und darauf eine Gipskappe gebracht. Nach dem Erhärten des Gipses konnte der Fund unterhöhlt und herausgenommen, der Sand von der Unterseite bis auf die Knochen abpräpariert und schließlich der fertige Lackfilm mitsamt dem Skelett aus dem Gipsrahmen herausgeschnitten werden. ...