Original paper

Landschaftsformen des Kieselschiefers

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

Innerhalb der mitteldeutschen Landschaft ist der Kieselschiefer besonders geeignet, zum Verständnis und zur Berichtigung des üblichen Gegensatzes von ,Härtling" und ,weichem" Untergrund beizutragen. Die dem Folgenden zugrundeliegenden Beobachtungen sammelte der Verfasser bei vielen geologischen Begehungen im Sauerlande. Sie wurden im geologischen Sauerland-Museum zu Altena mit veranschaulicht. Auffallende Beispiele wurden bei der Dortmunder Tagung des Niederrheinischen geologischen Vereins gezeigt. Der kulmische Kieselschiefer, durchschnittlich etwa 200 m mächtig, begleitet als vielfach geschlungenes Band die devonischen Aufsattelungen im Norden und Osten des rheinischen Schiefergebirges. Etwas geringer ist seine Rolle im Harz, noch geringer in Thüringen, er fehlt in den Sudeten. Andrerseits findet er sich in England und in den Pyrenäen in typischer Ausbildung wieder. Genau genommen treten in der Kieselschiefer-Serie echte Kieselschiefer zurück gegen die etwas dicker gebankten ,Lydite". Stücke dieser Bänkchen findet man oft in den Schottern unserer Flüsse, wo sie neben den Gangquarzen zu den widerstandsfähigsten Bestandteilen gehören, so daß sie nach Zermahlung anderer Gesteine immer mehr angereichert werden. Sie eignen sich damit zu Leitgesteinen alter Schotter. Nach KURTZ (1927) sind sie mit anderen Geröllen der diluvialen Weser bis nach Holland hinein nachzuweisen. Dem Horizont der vorwiegenden Lydite folgt im Sauerlande ohne scharfe Grenze ein Horizont mit Kieselkalken. Der Unterschied kann im folgenden vernachlässigt werden. Es gibt in Mitteldeutschland noch zwei Kieselschiefer-Horizonte von ganz anderer stratigraphischer Lage, den des Obersilur (Graptolithenschiefer) und den des unteren Oberdevon. Ihre Verbreitung und morphologische Bedeutung ist so gering, daß sie hier außer Betracht bleiben können. Weiterhin gibt es ähnliche Sedimente im Jura der Alpen (,Hornsteine"), in der Kreide Borneos (,Danau-Formation") und im Tertiär Kaliforniens. Die Entstehungsweise unserer Kulm-Kieselschiefer ist viel besprochen worden. Vergleichende Fazieskunde ergibt, daß es sich um eine Ablagerung stillen Wassers unter wechselnden klimatischen Bedingungen (Feinschichtung!) handelt (H. SCHMIDT, 1935). ...