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Die weltwirtschaftliche Bedeutung der geologischen Wissenschaft

Meisner, M.

Kurzfassung

Der in letzter Zeit verschiedentlich angeregte nachstehende Versuch, an dieser Stelle einmal das Verhältnis der Geologie zur Weltwirtschaft zu erörtern, erscheint hier vielleicht nicht ganz richtig am Platze, weil den Gegenstand der folgenden Ausführungen nicht, wie sonst üblich, eine festumgrenzte geologische bzw. naturwissenschaftliche Einzelfrage bildet, sondern mehr eine allgemeine wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung, welche nur auf ein recht entlegenes Grenzgebiet der Geologie führt. Doch rechtfertigt er sich wohl durch die wichtige und fast beherrschende Vormachtstellung, welche das Wirtschaftliche heute innerhalb des gesamten menschlichen Kulturkreises unstreitig einnimmt, und welche sich durch verschiedene Zeiterscheinungen gerade jetzt deutlich genug bekundet. Sie zeigt sich z. B. darin, daß der als Folgeerscheinung des sog. Weltkrieges noch immer vorhandene Kampfzustand der Völker sich in Gestalt gegenseitiger Abwehrstellung ganz überwiegend nur auf wirtschaftlichem Gebiet auswirkt; ferner darin, daß die unheimliche Kulturgefahr des Bolschewismus, welcher z. Z. noch viele Völker durchseucht, und dessen Niederkämpfung wohl erst das wirkliche Ende des Weltkrieges bedeuten wird, schließlich nur aus wirtschaftlichen Ursachen heraus entstanden ist und zu bedrohlichen Ausmaßen wachsen konnte. Wenn man sonach die hervorragende Bedeutung des Wirtschaftlichen widerspruchslos anerkennen muß, so verlohnt es sich auch, einmal die geologische Wissenschaft auf ihre Beziehungen zur Weltwirtschaft zu untersuchen. Freilich bereitet dieser Versuch gewisse Schwierigkeiten. Da die Geologie als Wissenschaft etwas Geistiges ist, die Wirtschaft aber ein ausgesprochen stoffliches Gepräge trägt, ist es naturgemäß nicht leicht, unmittelbare Beziehungen zwischen beiden aufzuspüren oder gar, wie im Folgenden versucht wird, bildhaft zu veranschaulichen. Man findet solche Beziehungen am besten auf folgendem Wege: Die Weltwirtschaft ist nichts anderes als die zielstrebige Führung des der Menschheitskultur dienstbaren allgemeinen Kraft- und Stoffhaushalts der Natur. Kernstück, Vorbedingung und Grundlage dieses Haushalts bildet naturgemäß seine Versorgung mit Kraft und Stoff, mithin also, da auch die nutzbar gemachte Kraft zum allergrößten Teil aus geeigneten Kraftstoffen erzeugt wird, die Weltrohstoffversorgung schlechthin. ...