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Über Strukturböden im Riesengebirge Ein Beitrag zum Bodenfrost- und Lößproblem

Dücker, Alfred

Kurzfassung

Die im Riesengebirge vorkommenden Strukturböden zeigen in ihrer Profilausbildung eine typische Podsolierung. Der das Feinerdefeld umgebende Steinring greift mit scharfer Abgrenzung bis zu 80 cm Tiefe muldenförmig in das Liegende ein. Die den Kern des Strukturbodens aufbauende Feinerde ist ihrer Kornzusammensetzung nach ein ausgesprochener Mo-sand. Das gesamte Bodenprofil ist vom Liegenden bis zum Hangenden völlig gleichmäßig und einheitlich aufgebaut. Obwohl die Vergrusungsschicht im allgemeinen eine durch innere Bewegungsvorgänge hervorgerufene Schichtung aufweist, ist sie in ihrem Hangenden spez. im Strukturbodenprofil völlig ungeschichtet. Die Schichtungslosigkeit muß als eine Folge der Frosteinwirkung auf den Boden angesehen werden, durch die eine ständige Ortsverlagerung von Feinbestandteilen während des Frostaufganges bewirkt wird. Nach dem Kriterium von A. CASAGRANDE ist die fast ,gleichförmige" Feinerde zu den ,frostgefährlichen" Bodenarten zurechnen, da der Anteil der Korngröße unter 0,02 mm rd. 20% beträgt. Wie durchgeführte Gefrierversuche zeigen, kann die durch die Frosthebung bedingte Volumenzunahme des durchgefrorenen Bodens bis zu 25% betragen. Diese außerordentliche Raumvergrößerung wird durch Wasserzuwachs bedingt, der während des Gefrierens aus dem nicht gefrorenen Untergrund zur Frostgrenze strömt und in Form von millimeterdünnen, reinen Eisschichten zur Kristallisation gelangt. Bei Frostaufgang wird der Boden, der bereits bei 22% Feuchtigkeit seine Fließgrenze erreicht, derart mit Wasser durchtränkt, daß seine Konsistenz der einer Suspension gleichkommt, die das Auftreten von Konvektionsströmen möglich erscheinen läßt. Eine weitere Folge der Frostwirkung auf den Boden ist die Tätigkeit der Frostsprengung. Sie führt zu einer relativen Anreicherung der Körnungen von 0,1-0,01 mm. Regional völlig verschiedene Strukturböden zeigen daher die gleiche Kornzusammensetzung. Auch die unter periglazialen Klimaverhältnissen entstandenen äolischen Sedimente, wie Kryokonit, Flottsand und Löss weisen die gleiche Kornverteilung auf. Es wird daher die Vermutung ausgesprochen, daß das Häufigkeitsmaximum der Korngrößen von 0,1-0,01 mm in den äolischen Ablagerungen, das zu erklären bislang große Schwierigkeiten bereitete, auf die Tätigkeit der im Eisvorland herrschenden Frostwirkung, spez. der Frostsprengung zurückzuführen ist.